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Flucht von Alcatraz Auf Regenmänteln Richtung Freiheit

Eine Felseninsel mitten im eiskalten Pazifikwasser: Alcatraz, der ideale Ort, um die brutalsten Verbrecher Amerikas für immer wegzusperren. Heute vor 45 Jahren versuchten drei Häftlinge die Flucht – und wussten, der Preis für die Freiheit könnte ihr Leben sein.

Die Nacht des 11. Juni 1962 ist mondlos und bitterkalt. Stille liegt wie ein schwarzes Tuch über der Bucht von San Francisco. Nur ab und an, ganz leise, kann man hören wie ein Ruder die glatte Wasseroberfläche durchsticht. Beinahe lautlos entfernt sich ein Boot von der Felseninsel mitten in der Bucht, schiebt sich langsam auf das Festland zu. An Bord drei Bankräuber, verurteilt zu jahrzehntelanger Haftstrafe auf Alcatraz. Nur 1200 Meter trennen die Männer vom rettenden Ufer. Nur ein aus Regenmänteln selbst genähtes Gummiboot trennt sie von eisigem Pazifikwasser und lebensgefährlichen Strömungen. Sie wissen, dass sie nur eine Chance haben.

Nur die gefährlichsten Verbrecher, die Unverbesserlichen aus den gesamten Vereinigten Staaten, kommen in den als absolut ausbruchsicher geltenden Hochsicherheitstrakt von Alcatraz. Unter ihnen berüchtigte Gangster wie "The Scarface" Al Capone, George "Machine Gun" Kelly oder der Gewaltverbrecher Robert Stroud. Womöglich hat ihnen ihr Ruhm im Gefängnis Respekt eingebracht, Privilegien gibt es auch für sie nicht: Jede der 336 Zellen ist 1,5 Meter breit und 2,7 Meter lang. Eine harte Matratze, ein Waschbecken und eine Toilette, einen kleinen Stuhl, einen Klapptisch. Und 58 Gefängnisregeln. "Es ist nicht erlaubt, etwas an die Wand zu hängen", "Das Handtuch hat gefaltet im Regal zu liegen" oder "Die Zelle darf zu jedem Zeitpunkt vom Gefängnispersonal durchsucht werden."

Insassen müssen den "Broadway" passieren - splitternackt

Bei der Ankunft auf Alcatraz wird jedem Gefangenen seine Kleidung abgenommen. Er wird gründlich durchsucht. Dann folgt der obligatorische Gang über den "Broadway", wie die Insassen den mittleren Zellengang spöttisch getauft haben. Splitternackt. Und unter dem hämischen Gelächter all derer, die diese Demütigung bereits hinter sich gebracht haben. "Halt den Mund, beweg dich mit dem Rücken zur Wand", für den ehemaligen Gefangenen AZ 586, den für Kidnapping verurteilten James Quillen, war das die erste Regel, die er auf Alcatraz lernte. In einer mitreißenden Audio-Führung, die Besucher von Alcatraz heute durch den Zellenblock geleitet, berichtet der ehemalige Häftling aus dem Gefängnisalltag. Wenn ein Inhaftierter aufmüpfig ist, sich nicht an die Anstaltsregeln hält, wird er in den gefürchteten D-Block verlegt. Ein Gefängnis im Gefängnis - wenn man so will.

"Es war kalt, es war feucht, der Wind fegte hindurch", berichtet Quillen über die Isolationshaft. Kommt der Wind aus südlicher Richtung, trägt er Fetzen des bunten Lebens in San Francisco bis zu den Gefangenen. Vom Jahrmarkt weht der Duft von gebratenen Mandeln in die Zellen. "Es gab keinen Tag, an dem man nicht sah, was man verpasste, was man verloren hatte", erinnert sich Quillen. Nur einmal in der Woche dürfen die Gefangenen duschen. Besonders aufsässige Insassen werden für einige Tage oder auch Wochen in eine Dunkelzelle gesperrt. Kein Licht, keine Geräusche, nichts.

Der Schlüssel zur Freiheit: Ein paar Löffel aus der Kantine

Frank Morris wird am 20. Januar 1960 nach Alcatraz verlegt. Der Bankräuber gilt als wahnsinnig intelligent, angeblich hat er einen IQ von 133. Kann der Ausbruchprofi seine Fähigkeiten zur Flucht aus dem Hochsicherheitsknast Alcatraz nutzen? "AZ 1441" beginnt gleich nach seiner Ankunft damit, das Gefängnissystem akribisch zu studieren: Er hat nicht vor, sich lange in seiner winzigen Zelle aufzuhalten. Am Ende wird Morris zwei Jahre brauchen, um gemeinsam mit Allen West und den Brüdern John und Clarence Anglin einen komplexen Ausbruchplan aufzustellen.

Aus der Kantine stibitzen die vier Männer Löffel, mit denen sie über Monate Lüftungsschächte vergrößern - bis sie sich hindurchzwängen können. Die Zellen von West und Morris sowie die der Anglin-Brüder liegen in unmittelbarer Nachbarschaft. Gearbeitet wird von halb sechs bis neun Uhr abends, wenn das Licht gelöscht wird, im Schichtwechsel: Einer kratzt den Beton aus der Wand, der andere hält Wache. Im Gefängnisalltag mimen sie die Vorzeigehäftlinge und verdienen sich so Privilegien: Sie täuschen ausgeprägtes Interesse für Malerei vor, lassen sich Leinwand und Farbe bringen - daraus fabrizieren sie Attrappen des Wandstücks rund um das Lüftungsgitter.

Jeder der vier Männer fertigt eine Nachbildung seines eigenen Kopfes an: Durch die Dummys wollen sie wertvolle Stunden erheischen. Eine Mixtur aus Zementstaub, Seife, und Klopapier bildet den Unterbau der Kopfattrappe, Farbe und Eigenhaar sollen ihnen den menschlichen Touch geben, der einem flüchtigen Blick durch die Wärter standhalten kann. Die Brüder John und Clarence Anglin verleihen den Zementschädeln auch noch eigene Namen: "Oink" und "Oscar".

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