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22.08.2007
 

Das Vermächtnis von Sacco und Vanzetti

Die Macht des Zweifels

Von Friederike Freiburg

Verhaftet, vorgeführt, hingerichtet. Unschuldig? Der Prozess gegen die Anarchisten Sacco und Vanzetti gilt als einer der unfairsten der US-Justizgeschichte. Vor 80 Jahren starben sie auf dem elektrischen Stuhl - und liefern Todesstrafengegnern bis heute eins ihrer stärksten Argumente.

Hamburg - Am Ende ist alles vergebens: die Proteste, die Zweifel, der Einspruch, das Gnadengesuch. Am 22. August 1927 um 23.03 Uhr entscheidet der Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts, Alvan T. Fuller, dass die Hinrichtung von Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti nicht gestoppt wird. Die Exekution ist für Mitternacht angesetzt, die Henker im Gefängnis von Charlestown führen ihre Vorbereitungen fort.

Vanzetti und Sacco: Unfairer Prozess, hartes Urteil
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AP

Vanzetti und Sacco: Unfairer Prozess, hartes Urteil

Sacco und Vanzetti werden nacheinander aus ihren Todeszellen in Richtung Hinrichtungskammer geführt. "Lang lebe die Anarchie", ruft der 36 Jahre alte Sacco noch vom elektrischen Stuhl aus. "Lebt wohl, meine Frau, mein Kind und alle meine Freunde." Zu den Zeugen der Hinrichtung sagt er: "Guten Abend, meine Herren." Dann legen die Gefängniswärter den Schalter um, Strom fließt durch den Körper von Nicola Sacco, um 0.19 Uhr wird er für tot erklärt.

Wenige Minuten später folgt ihm Bartolomeo Vanzetti in die Todeskammer. Zum Aufseher sagt der 39-Jährige: "Ich möchte Ihnen sagen, dass ich unschuldig bin. Ich habe nie ein Verbrechen begangen, einige Sünden schon, aber kein Verbrechen. Ich danke Ihnen für alles, was Sie für mich getan haben. Ich bin aller Verbrechen unschuldig, nicht nur dieses, sondern aller, wirklich aller. Ich bin ein unschuldiger Mann." Er reicht dem Aufseher und zwei Wächtern die Hand. Dann nimmt er Platz auf dem elektrischen Stuhl. "Ich möchte nun einigen Menschen vergeben für das, was sie mir antun", sind Vanzettis letzte Worte. Der Strom fließt ein weiteres Mal in dieser Nacht durch einen menschlichen Körper, um 0.27 Uhr des 23. August 1927 ist Vanzetti tot.

Arme Leute, Anarchisten - und Mörder?

Warum Sacco und Vanzetti sterben mussten, darüber gehen die Überzeugungen auseinander. Die beiden Männer sind Einwanderer aus Italien, arme Schlucker und Anarchisten, der eine Fabrikarbeiter, der andere Fischverkäufer. Und, aus Sicht des Staatsanwalts Frederick G. Katzmann, vor allem eins: Mörder.

Am 15. April 1920 überfallen Ganoven in South Braintree nahe Boston zwei Mitarbeiter einer Schuhfabrik, den Zahlmeister und einen Wachmann. Sie haben 15.776 Dollar bei sich, Lohngelder, die sie von einem in ein anderes Gebäude bringen sollen. Dort kommen sie nie an. Zwei Männer stürmen auf sie zu, schießen sie nieder und nehmen das Geld mit. Sie flüchten in einem blauen Wagen, in dem noch drei andere Personen sitzen. Waren Sacco und Vanzetti die Mörder? Waren sie überhaupt dabei? Diese Fragen sind bis heute ungeklärt.

Fest steht: Bartolomeo Vanzetti und Nicola Sacco werden festgenommen. Sie haben Waffen bei sich, verwickeln sich in Widersprüche und werden schließlich wegen doppelten Raubmordes angeklagt. Das Verfahren in Dedham wird als einer der unfairsten US-Strafprozesse in die Geschichte eingehen.

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