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Fluchthilfe an der Mauer Flieger in die Freiheit

2. Teil: 15 Jahre für "staatsfeindlichen Menschenhandel"

Es folgten endlose Verhöre in den gefürchteten Stasi-Untersuchungsgefängnissen Magdalenenstraße und Hohenschönhausen. Dann der Prozess: Fünf Tage lang verhandelte der Strafsenat unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Erst knapp 25 Jahre später konnte Müller beim Besuch in der Gauck-Behörde die Anklageschrift zum ersten Mal lesen. Er habe die DDR geschädigt und es "im Zusammenhang mit einer Organisation, die einen Kampf gegen die DDR führt, seit Anfang 1970 unternommen..., Bürger der DDR in außerhalb ihres Staatsgebietes liegende Gebiete auszuschleusen". Das Urteil: 15 Jahre Haft wegen "staatsfeindlichen Menschenhandels" und "Verstoßes gegen die Geldverkehrsordnung".

Zur Verbüßung kommt Müller in das berüchtigte Stasi-Gefängnis Bautzen II, reserviert für "Staatsverbrecher", in dem West-Gefangene isoliert von ostdeutschen Gefangenen einsitzen mussten. Über den brutalen Alltag in Bautzen will er in einem Buch berichten, dass er gerade schreibt. Mit Abgesandten der bundesdeutschen Ständigen Vertretung konnte Müller sich während seiner Haftzeit nur ganze zwei Mal treffen - und auch das nicht ohne vorherige Demütigungen. "Einmal musste ich mich gleich 25 mal nackt ausziehen", erinnert sich der heute 65-Jährige. "Die wollten mich einfach nur fertig machen", glaubt Müller. Erst nach sechs Jahren, 10 Monaten und sieben Tagen wird Horst Müller im Dezember 1977 durch die Bundesrepublik freigekauft.

Weiter im Visier der Stasi

Damit war der finstere Stasi-Spuk für Müller jedoch noch nicht vorbei. Nachdem er im Januar 1978 Journalisten des Springer-Verlags ein Interview über die unmenschlichen Haft-Bedingungen gegeben hatte, setzte ihn Ost-Berlin sofort wieder auf die Fahndungsliste. Dass er durch "erlogene Darstellungen über angebliche Misshandlungen und Schikanierungen... die Tätigkeit der staatlichen Organe der DDR diskriminiert" habe und deshalb wieder festzunehmen sei, erfuhr Müller erst nach dem Ende der DDR aus seinen Stasi-Akten. Erst 1985 nahm die Stasi den Haftbefehl zurück, worüber selbst Stasi-Chef Erich Mielke unterrichtet wurde.

Instinktiv hatte Müller das Richtige gemacht: Er reiste nicht mit dem Auto oder der Bahn durch die DDR - er nutzte den Flieger, wenn er aus dem Westen Berlins in den Westen Deutschlands wollte. Keine Paranoia, wie er heute weiß; er wäre an jedem Grenzübergang der DDR verhaftet worden. Demnächst geht Müller, der im Norden des wiedervereinigten Berlins mit Computer-Hardware handelt, in Rente; seine Haftzeit, das haben ihm Gerichte bestätigt, wird ihm angerechnet werden. Seither hat Müller nur noch einen Wunsch: Dass Hertha BSC die Bayern wieder das Fürchten lehren möge.

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