Es wäre ein abgegriffenes und gängiges Unterfangen, den "Helden" Richthofen vom "Sockel" zu stoßen und ihn aus der heutigen Perspektive als einen "hirnlosen" Schießer abzuqualifizieren. Aufschlussreicher ist es, Richthofen und seine Zeit verstehen zu wollen: Richthofen, das ist die Geschichte eines ehrgeizigen Offiziers, der innerhalb kürzester Zeit zum Idol seiner Zeit aufgebaut wurde. Ihm selbst war dabei allerdings der Trubel um seine Person rasch zuwider geworden. Der Luftkampf war ihm sowohl zum Rausch als auch zum Fluch geworden: Bereits Ende 1917 schrieb der Jungheld: "Mir ist nach jedem Luftkampf erbärmlich zumute. Wenn ich meinen Fuß auf dem Flugplatz wieder auf den Boden gesetzt habe, dann mache ich, dass ich in meine vier Wände komme, will niemand sehen und von nichts hören. Ich glaube, so ist es wirklich, es ist nicht so, wie die Leute in der Heimat sich das vorstellen, mit Hurra und Gebrüll, es ist viel ernster, verbissener."
Richthofen - das ist eine Figur, über die es sich lohnt, auch heute noch nachzudenken: Inwieweit passen die Begriffe "Krieg" und "Held" zueinander? Aus seinem Nachlass und den Erinnerungen seiner Kameraden wird deutlich, wie sehr sich die Wunschvorstellung eines ritterlichen Kampfs von der verzweifelten Abwehrschlacht in der Luft und der Erfüllung von möglichst hohen Abschussquoten unterschied. Hinter der glatten Heldenfassade verbarg sich ein mutiger, aber auch narzistischer, scheuer und zerrissener Mensch.
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