30 Jahre "Studio 54" Nachtclub der Exzesse

Grace Jones kam nackt in den New Yorker Club "Studio 54", John Gerard mit einem Affen, freigelassene Tauben flatterten in die Scheinwerfer und plumpsten gegrillt auf die Tanzfläche: Himmel und Hölle zugleich - so war die VIP-Disco, die vor 30 Jahren eröffnet wurde.

Von , New York


New York - Nie zuvor - und nie seither - hat es etwas Vergleichbares gegeben: Ein Club, in dem Friseure mit Filmstars koksten und Aussteiger mit Aristokraten. Ein Club, in dem jeder ein Star war, ob reich, arm, jung, alt, hetero oder schwul - so er denn am Türsteher vorbeikam. Selbst Lillian Carter, die Mutter des damaligen Präsidenten Jimmy Carter. "Ich weiß nicht, ob ich im Himmel war oder in der Hölle", sagte sie anschließend. "Aber es war wundervoll!"

Erinnerungen ans "Studio 54". Eigentlich ist ja das ganze "Studio" eine einzige Erinnerung. Ein Spuk aus fernen Zeiten, vor Terror, vor Krieg, vor Aids. Am Donnerstag ist es genau 30 Jahre her, dass er eröffnete, der Nachtclub an Manhattans 54th Street, der Disco zu einem Lebensgefühl machte und den Prominentenkult erfand. Nicht mal drei Jahre blühte er, sechs weitere dauerte sein Sterben. Doch das "Studio 54" veränderte alles. Veteranen wie John Gerard schwärmen heute noch, als sei es gestern gewesen.

Gerard, Friseur, besaß eine sichere Eintrittskarte ins "Studio 54", die exklusivste Disco der Welt: Die Eintrittskarte war ein Klammeraffe und hieß Max. Mit Max auf der Schulter kam der damals 19-Jährige immer am Türsteher vorbei. Max trank an der Bar gerne ein paar Biere, was ihn "erst fröhlich und dann böse" machte. Einmal riss er dem Erben einer Champagner-Dynastie fast die Nase ab. "Ach", sagt Gerard versonnen. "Waren das Zeiten!"

Praktische Gummiwände

Denn das "Studio 54" war mehr als nur eine Disco: "Es war Geschichte", schreibt Anthony Haden-Guest, selbst lange Stammgast, in seinem Buch "The Last Party", einem Nachruf auf die Disco-Ära. Andere drückten es profaner aus: "Es war der einzige Nightclub", bemerkte Modemacher Prinz Egon von Fürstenberg einmal kühl, "in dem man Sex haben konnte".

Umso erstaunlicher, dass das Duo, das das "Studio" erfand, von der VIP-Szene erst keine Ahnung hatte. Steve Rubell und Ian Schrager waren College-Freunde. Rubell war laut und immer für eine Party zu haben. Schrager war still und ganz der seriöse Geschäftsmann.

Beide besaßen bereits eine Steakhouse-Kette. Mit Hilfe eines Investors kauften sie dann auf der desolaten West Side ein altes Theater und TV-Studio, aus dem CBS lange die legendäre "Tonight Show" mit Johnny Carson gesendet hatte, und bauten es aufwendig zur Disco um.

Der Club war riesig. Die Tanzfläche bot 500 Menschen Platz. Darüber hingen das beste Soundsystem seiner Zeit und ein Neon-"Mann im Mond", der sich rhythmisch einen Löffel zur Nase führte. Bühne und Balkonrang waren erhalten geblieben. Einen Stock höher lag der berüchtigte "Rubber Room", dessen Gummiwände man abwaschen konnte. Der VIP-Raum war im Keller, mit einem Elton-John-Flipper.

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