60 Jahre Indien und Pakistan Bruderhass, Bombenhorror, Bollywood

Sie haben drei Kriege geführt, die Atombombe gebaut, sie kämpfen mit Armut, Extremismus, Korruption - jeder für sich. 60 Jahre nach Unabhängigkeit und Teilung beginnen die ungleichen Bruderstaaten Indien und Pakistan, ihren Hass zu überwinden.

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Der zwei Meter große Soldat gibt sich Mühe, beim Stechschritt das Bein so hoch wie möglich anzuheben. Das Knie muss dabei durchgedrückt sein, unbedingt, der General guckt heute mal zu. Was soll der denken, wenn die pakistanischen Grenzsoldaten ihren Job besser machen als seine Männer? Es soll martialisch aussehen, wenn er zum Grenztor marschiert, das eiserne Gittertor packt und krachend zuwirft. Das Spektakel verläuft auf indischer und pakistanischer Seite synchron.

Zwei Staaten, die bis 1947 eine Einheit bildeten, schließen täglich vor Sonnenuntergang den Grenzübergang zwischen den Dörfern Wagah, Pakistan, und Atari, Indien - den einzigen Straßenübergang zwischen diesen Ländern. Auf beiden Seiten sitzen Zuschauer auf Tribünen.

Der pakistanische Platz ist vor ein paar Jahren erst renoviert worden. In goldenen arabischen Buchstaben steht "Islamische Republik Pakistan" an einem Gebäude, die Männer und Frauen im Publikum sitzen getrennt voneinander. Ein paar Menschen schwenken die Flagge mit dem weißen Halbmond und Stern auf grünem Untergrund. Gelegentlich schreien sie "Zindabad Pakistan!" - lang lebe Pakistan! Die Frauen sind verhüllt, die einzigen kopftuchlosen Frauen sind westliche Touristinnen - aber die sitzen auf einer Ehrentribüne, wo jeder Platz nehmen darf, der irgendwie ausländisch aussieht.

Auf der indischen Seite ist das Häuschen älter, in dem sich die Wachsoldaten aufhalten, die Farbe blättert von den Wänden. Dafür steht dort ein unübersehbares Schild: "Willkommen in der größten Demokratie der Welt". Die Inder trennen nicht zwischen Sitzplätzen für Männer und Frauen. Familien mit orange-weiß-grünen Schirmmützen sind zur Grenzschließungszeremonie angereist, sie tanzen, packen ihre Picknick-Körbe aus, feuern ihre Soldaten an. "Bharat Mata Ki Jai" schreien sie, angefeuert von einem besonders patriotischen Zuschauer, und recken dabei ihren rechten Arm in die Luft - Heil Mutter Indien! Es scheint, als hätten die Inder mehr Spaß als die Pakistaner.

Das hier ist seit 60 Jahren eine der brenzligsten Grenzen der Welt. Auf der einen Seite ein islamischer Staat vor der Zerreißprobe, auf der anderen einer der großen Globalisierungsgewinner. Sie haben drei Kriege miteinander geführt, sie sind inzwischen Atommächte, sie kämpfen beide mit Armut, Extremismus, Korruption. Pakistan und Indien - die Geschichte des ungleichen Bruderpaars:

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