Bericht der Wehrmacht "Der Gegner konnte Widerstandsherde bilden"

Seit dem Morgen des 6. Juni wussten auch die Deutschen Bescheid: Es war der Tag der Tage, der D-Day, an dem die Alliierten ihre Invasion starteten. Hitlers Offiziere hatten entsprechende Berichte abgehört. SPIEGEL ONLINE zitiert aus der Lagebeschreibung des Oberkommandos der Wehrmacht.


Die Landung erfolgte im Raum zwischen der Seine-Mündung und Cherbourg, wie dies von der deutschen Führung erwartet worden war (Verlegung der 91. Luftlande-Division, des 6. Fallschirmjäger-Regiments und von Panzern auf die Halbinsel Contentin).

Das Unternehmen wurde durch den Absprung von Fallschirmjägern vorbereitet, die britischen und amerikanischen Luftlande-Divisionen angehörten. Anschließend an diese Aktion, die um 1 Uhr begann und zum Teil durch Wolken hindurch erfolgte, setzte um 3 Uhr bis 3.30 Uhr bei Ebbe, so dass Vorstrandhindernisse nicht störten, die Landung von See ein, die der Feind durch das Feuer schwerer Einheiten unterstützte.

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D-Day 1944: Der Tag der Invasion

Die eigenen Einheiten nahmen das Feuer auf, und ein Teil der Fallschirmjäger konnte sofort vernichtet werden; doch gelang es dem Gegner, am Ufer Fuß zu fassen, und im rückwärtigen Gelände Widerstandsherde zu bilden. Dabei zeigte sich, dass die Briten beiderseits der Orne angriffen, die Amerikaner an der Vire-Mündung und auf der Halbinsel Cotentin.

Um die an der Küste kämpfenden Divisionen zu unterstützen, wurde als erste die 12. SS-Panzer-Division nach Lisieux herangezogen und die 21. Panzer-Division in den Kampf westlich der Orne-Mündung hineingeworfen; doch wurde sie beim Herankommen durch Fallschirmjäger behindert, die bei Caen absprangen. Gegen den Gegner im Raum von St. Vaast wurde die 91. Infanterie-Division angesetzt; dann wurde auch noch die Panzer-Lehr-Division, die zusammen mit der 12. SS-Panzer-Division als OKW-Reserve bereitgehalten war, freigegeben.

Schnellboote, die von Cherbourg aus vorstießen, wurden durch den Seegang, der in der Bucht noch die Stärke 4 bis 6 erreichte, behindert; dagegen konnten die aus Le Havre vorstoßenden Zerstören ihre Torpedos abfeuern.

Dass es sich tatsächlich um den lang erwarteten D-Tag handelte, zeigte ein in den Morgenstunden verbreiteter Befehl Eisenhowers, an den sich Ansprachen der feindlichen Ministerpräsidenten anschlossen. Jedoch war noch nicht klar, ob es sich um einen ersten Vorstoß, um eigene Kräfte zu binden, handelte. Stutzig machte, dass die Sabotage nicht merklich anstieg. Deshalb war denkbar, dass der Feind erst einmal die Halbinsel Contentin abkneifen und dadurch Cherbourg in eigene Hand bringen wollte, um gleichzeitig oder anschließend mit den in Südostengland wartenden Kräften die 15. Armee anzugreifen.

Am Abend des ersten Tages war die Lage ostwärts der Orne durch die 711. Division bereinigt; dagegen war westlich der Flussmündung ein 10 Kilometer langer, jedoch vorerst nur sehr schmaler Brückenkopf entstanden, der von der hier eingesetzten 352 Infanterie-Division abgeriegelt wurde. Die 709. Infanterie-Division konnte die Amerikaner einengen, aber nicht vernichten, da sie laufend aus der Luft verstärkt wurden.

Da unklar war, ob der Feind auch an der Westküste der Halbinsel gelandet war, wurde aus der OKW-Reserve noch die 17. SS-Panzer-Grenadier-Division freigegeben (diese Meldung bestätigte sich nachher nicht).

Zwecks einheitlicher Führung übernahm den Befehl im Abschnitt Orne-Vire das dem AOK 7 unterstellte Panzer-Kommando West (General Geyr von Schweppenburg) mit drei Panzer- und zwei Infanterie-Divisionen, auf der Halbinsel Contentin der General Marcks (91., 709. und 243. Infanterie-Division), südlich davon der General der Flieger Meindl, Kommandierender General des II. Fallschirmjäger-Korps (17. SS-Panzer-Division, 3. Fallschirmjäger-Division, 352. Infanterie-Division).

Mit freundlicher Genehmigung des Bernard & Graefe Verlags für Wehrwesen, Bonn

Zitiert aus: Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht (Bd. IV), 1. Januar bis 22. Mai 1945. I. Die Kämpfe in der Normandie von der Landung bis zum Durchbruch bei Avranches (6. Juni - 31. Juli).

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