Des Teufels Leibwächter: Die Geheimnisse des letzten lebenden Hitler-Vertrauten

Von Ralf Simon

2. Teil: Eva Braun saß tot in der Couchecke

Hitler jedenfalls habe - anders als etwa sein Biograf Joachim Fest behauptet - Fegelein nicht erschießen lassen. Er habe ihn nur degradiert. Mehr will er dazu nicht sagen. Der Schütze lebe zwar nicht mehr, aber trotzdem. Lieber erzählt Misch von Hanna Reitsch, der Pilotin, die die Goebbels-Kinder noch aus dem umkämpften Berlin ausfliegen wollte. Dass Joseph Goebbels seine Kinder gerettet sehen wollte, seine Frau Magda aber in ihrer Hitlerhörigkeit lieber alle sechs umbrachte. Und danach Karten spielte. Wie Hitler sich vor seinem Selbstmord noch von allen verabschiedete. Dass Eva Braun tot in der Couchecke saß, mit dem Kopf zu Hitler, "Knie an die Brust angezogen, sie hatte ein dunkelblaues Kleid angehabt und weiße Rüschen am Kragen".

In den frühen Morgenstunden des 2. Mai 1945 ist dann auch für Rochus Misch Schluss. Goebbels habe ihn mit den Worten entlassen "Wir haben verstanden zu leben, wir werden auch verstehen zu sterben". Misch macht die Telefonanlage unbrauchbar und verlässt den Bunker durch ein Kellerfenster. Vorher verabschiedet er sich noch vom Techniker Johannes Hentschel, der zum Schluss als einziger im Bunker ausharrt. Hentschel will weiter für Wasser und Strom im Bunkerlazarett sorgen. Er habe ihm "Auf Wiedersehen" gesagt.

Bis zum Wiedersehen sollte es acht Jahre dauern. Misch kommt bis zum U-Bahnhof "Kaisertor" (heute Mohrenstraße). Über die unterirdischen Gleisanlagen flieht er bis zum "Stettiner Bahnhof" (heute Nordbahnhof). Dort gerät er in Gefangenschaft. Unter den Gefangenen ist auch Hitlers schwer verletzter Chefpilot Hans Baur. Misch kümmert sich um Baur, doch der verrät seinen russischen Vernehmern, wo Misch zuletzt gearbeitet hat. Misch wird nach Moskau gebracht, verhört, gefoltert, immer wieder verhört. Er schreibt an Geheimdienstchef Berija und bittet ihn um den Tod durch Erschießen. "Den Brief gibt es noch im Archiv, die BBC hat ihn gefunden", erzählt er lächelnd. Nach acht Jahren in Lagern in Kasachstan und im Ural kehrt Misch 1953 nach Berlin zurück. Er macht sich im Westteil der nun geteilten Stadt selbständig und übernimmt dort das Malergeschäft eines Freundes. Dort arbeitet er bis zur Rente.

Über sein Leben während der NS-Zeit hat Rochus Misch jetzt, nach über 60 Jahren, ein Buch geschrieben. Es ist in Südamerika, Japan, Spanien, Polen und der Türkei schon erschienen. In Deutschland soll das Buch im Herbst 2007 auf den Markt kommen. Über den Verlag machte Misch keine Angaben. Der Titel allerdings steht schon fest: "Ich war Hitlers Leibwächter".

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