Film aufgetaucht Neue Aufnahmen lösen Rätsel um Kennedys tödliche Schusswunde

Mehr als 40 Jahre lag er im Verborgenen. Jetzt ist ein neuer Film zu John F. Kennedys Ermordung aufgetaucht. Er zeigt den US-Präsidenten auf seiner letzten Autofahrt - und untergräbt eine der vielen Verschwörungstheorien.


Hamburg/Dallas - Warum stimmen die Einschusslöcher nicht überein? Um den Tod von John F. Kennedy ranken sich unzählige Verschwörungstheorien - eine basiert auf den Einschusslöchern im Jackett und im Hemd des Präsidenten. Sie scheinen zu tief zu liegen, um mit der bei der Autopsie festgestellten Schusswunde im Nacken von JFK übereinzustimmen.

Der Schluss der Komplott-Gläubigen: Hier wurde bei den Ermittlungen zu dem Attentat etwas vertuscht. Vermutlich habe es mehrere Todesschüsse gegeben. Ein weiterer vermeintlicher Beleg also für die häufig angenommene Verwicklung des CIA in die Ermordung.

Der jetzt aufgetauchte neue Film aus Dallas zeigt allerdings: Kennedys Anzug ist nach oben gerutscht. Er sitzt hoch im Nacken. Der Schuss auf Kennedy fiel gut anderthalb Minuten nach der Aufnahme. Der verrutschte Anzug wäre damit eine einfache Erklärung für die unterschiedliche Höhe der Einschusslöcher.

Amateurfilmer George Jefferies war sich der Brisanz seines Filmmaterials offenbar nicht bewusst. Erst in einem Gespräch mit seinem Schwiegersohn Wayne Graham merkte der Amerikaner, was er da jahrzehntelang für sich behalten hatte. Gemeinsam entschieden die beiden, den etwa 40 Sekunden langen, farbigen Stummfilm dem Sixth Floor Museum in Dallas zu stiften.

Kennedy wurde am 22. November 1963 erschossen. Als Täter wurde Lee Harvey Oswald identifiziert, der kurz darauf ebenfalls erschossen wurde. Bis heute halten sich Gerüchte, Kennedy sei Opfer einer Verschwörung von entweder dunklen Mächten in Washington oder dem Militär in Verbindung mit der Rüstungsindustrie. Auch die Mafia oder das kommunistische Kuba könnten nach Ansicht von Verschwörungstheoretikern hinter dem Attentat stecken (siehe Kasten).

Der neue Film zeigt Kennedy und seine Ehefrau Jacqueline weniger als 90 Sekunden vor dem Attentat. Zunächst ist eine wartende Menschenmenge zu sehen. Als die Präsidentenkolonne an der Kamera vorbeifährt, sieht man die damalige First Lady in ungewöhnlicher Schärfe, wie sie strahlt und den Schaulustigen zuwinkt. Neben ihr im Wagen sitzt Kennedy. Für einen kurzen Augenblick ist dabei das wichtige Detail zu erkennen: wie der Anzug des Präsidenten im Nacken eine große Falte wirft.

Dass die Theorie nicht haltbar ist, hat allerdings auch schon Gerald Posner in seinem Buch "Case Closed" (1993), dem Standardwerk zu den Kennedy-Mutmaßungen, belegt. Sowohl ein Korsett, das Kennedy wegen seiner Kriegsverletzungen stets habe tragen müssen, als auch die unnatürliche Position, in der der Präsident während Autofahrten im Fond des offenen Wagens gesessen habe, gäben ausreichend Erklärungen für die verschobenen Einschusslöcher.

Das Sixth Floor Museum, das nun den Film besitzt, widmet sich ganz dem Leben und Tod Kennedys. Es ist an der Dealey Plaza untergebracht - in dem Gebäude, von wo aus die tödlichen Schüsse fielen. Kurator Gary Mack ist froh über die Neuerwerbung: "Jeder, der den Konvoi vor dem Attentat filmte, denkt, seine Aufnahmen seien unwichtig. Aber für Historiker sind alle Fotos und Amateurvideos bedeutend, um in der Zukunft mögliche weitere Fragen zu beantworten." Museumsdirektorin Nicola Longford hat die Bevölkerung aufgerufen, mögliche weitere Aufnahmen nicht wegzuwerfen, sondern ebenfalls an das Museum zu geben. Der bislang einzige Film der Ermordung stammt von Augenzeuge Abraham Zapruder.

dab/Reuters/AFP/dpa



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