Olympia-Attentat 1972 Das Trauma von München

Sie sollten der Welt das neue Deutschland zeigen. Doch die Spiele 1972 gingen in Tod und Terror unter. Zeitzeugen erinnern sich auf SPIEGEL ONLINE an das Massaker von München - als palästinensische Terroristen die israelische Olympiamannschaft als Geiseln nahmen.


Hamburg - Der Alptraum dauerte 21 Stunden und begann mit einer beinahe heiteren Szene. An der Außenseite des Zauns zum Olympischen Dorf in München treffen sich am frühen Morgen des 5. September 1972 einige Männer.

Die einen, US-Athleten, sind beschwingt von einer Zechtour zurückgekommen und wollen sich nun arg verspätet in ihr Quartier schleichen.

Die anderen, so beschreiben es die Sportler später, sind wortkarg, wirken düster und verschlossen. Dennoch helfen sich die Männer gegenseitig über das zwei Meter hohe Hindernis. "Good night and have fun", ruft einer der Amerikaner. Die anderen verschwinden im Dunkel.

Gegen 4.35 Uhr stürmen die acht stillen Unbekannten das Quartier der israelischen Olympiamannschaft, geben sich als palästinensische Terrortruppe namens "Schwarzer September" zu erkennen. Aus den friedlichen, heiteren Spielen von 1972 werden die blutigen. Der Ringer Mosche Weinberg und der Gewichtheber Jossef Romano wehren sich gegen die Eindringlinge. Im Handgemenge werden die beiden erschossen. Sie sind die ersten Opfer jener Stunden, die als das "Massaker von München" in die Geschichte eingehen werden.

Die Terroristen fordern die Freilassung von palästinensischen Gefangenen aus israelischer Haft und von zwei deutschen RAF-Mitgliedern, die in Stuttgart-Stammheim einsitzen - Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Die deutschen Verhandlungsführer spielen auf Zeit und lassen ein Ultimatum nach dem anderen verstreichen. Die Entführer fordern schließlich, nach Kairo ausgeflogen zu werden, und werden mit zwei Hubschraubern zum Luftwaffenstützpunkt Fürstenfeldbruck gebracht. Dort steht eine Boeing 727 bereit.

Der Plan der deutschen Unterhändler: Zum Schein wollen sie auf die Forderungen der Terroristen eingehen. Dann sollen Scharfschützen die Palästinenser auf dem Weg zum Flugzeug erschießen.

Doch den Deutschen misslingt das Vorhaben - der Plan wird zum Debakel. Die Einsatzleitung hat zu wenig Scharfschützen bereitgestellt, einige sind schlecht ausgebildet oder ausgerüstet, Scheinwerfer blenden die Schützen, Sprechfunk gibt es nicht. Ein Terrorist wirft eine Handgranate in den einen Hubschrauber, ein anderer erschießt die Geiseln im zweiten. Insgesamt sterben elf Geiseln, ein deutscher Polizist und fünf Terroristen.

Um 1.32 Uhr ist der Einsatz vorüber. Die Olympischen Spiele indes gehen weiter, es fiel der legendäre Satz "The Games must go on!" - es gab nur eine kurze Unterbrechung.

Auf SPIEGEL ONLINE schildern zwei Zeitzeugen, wie sie das Drama von München erlebt haben:

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