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RAF: LKA verfolgte vor Buback-Anschlag falsche Fährte

Verhängnisvoller Ermittlungsfehler: Der Anschlag auf den Generalbundesanwalt Siegfried Buback 1977 hätte womöglich verhindert werden können. Nach einem Medienbericht hatte das LKA Baden-Württemberg damals entsprechende Informationen - interpretierte sie aber falsch.

Baden-Baden/Karlsruhe - Neue Erkenntnisse zum "Deutschen Herbst": Offenbar befürchtete die Polizei im Jahr 1977 einen Anschlag von RAF-Terroristen auf das Kernforschungszentrum Karlsruhe.

Das berichtete der Südwestrundfunk (SWR) am Freitag in Baden-Baden unter Berufung auf "bislang unbekannte, geheime Akten" des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg.

Die damaligen Ermittler hätten aber "die falschen Schlüsse aus Unterlagen der Terroristen" gezogen. Diese hätten in Wahrheit nicht das Kernforschungszentrum betroffen, sondern den damals geplanten Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback.

Buback und zwei seiner Begleiter wurden am 7. April 1977 in Karlsruhe von RAF-Terroristen erschossen.

Wie der Sender weiter berichtete, entschlüsselte die Polizei Fahrtrouten und Fahrzeiten im Raum von Karlsruhe nach Pforzheim und nahm daher eine Gefährdung des Kernforschungszentrums an.

In den Akten vom Januar 1977 heißt es laut SWR: "Danach ergeben sich konkrete Anhaltspunkte für ein unmittelbar bevorstehendes Kommandounternehmen unter dem Decknamen 'Margarine'. Bei dieser Aktion soll es sich offenbar um eine spektakuläre Aktion mit politischer Brisanz handeln. Die Täter wurden besonders gründlich ausgewählt. (...) Als besonders sicherheitsempfindliches Objekt befindet sich in Leopoldshafen das Kernforschungszentrum Karlsruhe."

Tatsächlich sei bei der RAF unter dem Stichwort "Margarine" die Vorbereitung des Buback-Mordes gelaufen. Der damalige Generalbundesanwalt wohnte im Karlsruher Stadtteil Neureut, knapp drei Kilometer vom Kernforschungszentrum entfernt.

Das LKA hat dem Bericht zufolge heute für die damalige Festlegung keine Erklärung. Gegenüber dem SWR hieß es, praktisch alle Akten von damals seien inzwischen vernichtet.

pad/ddp

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