Eingeschlossener Alpen-Ort "Uns bleibt die Luftbrücke"

Mehrere Orte in den Alpen sind wegen Lawinengefahr von der Außenwelt abgeschnitten, in Zermatt geht für Tausende Menschen gar nichts mehr ohne Hubschrauber. Wie reagieren Touristen und Einwohner?

STEINMA/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Ein Interview von


Seit rund zwei Tagen geht das jetzt schon so. Dichter Nebel, meterhohe Schneeberge, akute Lawinengefahr - im Touristenort Zermatt in der Schweiz tobt sich der Winter so richtig aus. Wie mehrere andere Orte in den Alpen ist das Städtchen mit dem Auto oder der Bahn nicht mehr zu erreichen.

Rund 13.000 Urlauber sitzen fest, wie gehen sie mit der Situation um? Ein Anruf bei Janine Imesch vom Tourismusbüro der Stadt.

SPIEGEL ONLINE: Frau Imesch, wie ist die Lage in Zermatt?

Janine Imesch: Der Himmel ist heute blau, das Dorf verschneit und die Stimmung gut. Als ich gestern Abend durch die Straßen gegangen bin, haben die Leute ihr Après-Ski genossen, da wurde viel gelacht. Das mag Sie vielleicht überraschen, aber wir haben hier überhaupt keinen Stress, es gibt keine Panik oder Angst. Es ist alles in Ordnung - auch wenn es von außen anders aussieht.

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Schneemassen in Zermatt: Von der Außenwelt abgeschnitten

SPIEGEL ONLINE: Das ist allerdings überraschend, immerhin ist der ganze Ort von der Außenwelt abgeschnitten.

Imesch: Das stimmt. Zwischen Täsch und Zermatt wird mit Hochdruck an der Schneeräumung auf der Bahnstrecke gearbeitet, das hat sich ja etwas verzögert. Und die Straßen müssen dann auch wieder frei werden. Aber uns bleibt ja für alle Fälle die Luftbrücke.

SPIEGEL ONLINE: Der Flug kostet 70 Schweizer Franken pro Person, also rund 60 Euro, schreckt das die Leute nicht ab?

Imesch: Offenbar nicht, es reisen sogar noch Touristen mit dem Hubschrauber an. Viele wollen trotzdem in den Urlaub oder müssen wieder weg, und hier herrscht ja keine akute Gefahrenlage. Der Ort wurde nicht evakuiert, alles ist sicher.

Im Video: Schneechaos in den Alpen

SPIEGEL ONLINE: Drohen Engpässe, zum Beispiel bei Nahrungsmitteln oder Medikamenten?

Imesch: Nein, Zermatt ist eine Winterdestination, mit solchen Situationen kennen wir uns natürlich aus: Das letzte Mal hatten wir eine vergleichbare Lage erst vor neun Jahren. Alle Hotels und Betriebe haben ein Lager, so halten wir es sehr lange aus. Und falls doch mal was fehlt, ist ja noch der Helikopter da.

SPIEGEL ONLINE: Aber breitet sich nicht Langeweile aus?

Imesch: Überhaupt nicht. Inzwischen sind einige Skipisten wieder offen, außerdem ändert der viele Schnee ja nichts am tollen Wetter.



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