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Zettelgold

Elena schützt Tiere vor dem Weihnachtsmann

Zettelgold: Lasst die Finger von dem kleinen Nemo Fotos
Das Futterhaus

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Was soll das Christkind bringen, wenn alles schon da ist? Wie soll es überraschen, wenn nichts mehr erstaunt? In diesem Jahr, ja, da müssen die Geschenke krachen, glitzern, blinken, wummern.

Oder einfach nur leben.

Denn hatte der kleine Paul nicht schon mit Nemo gelitten? Und mit der ratatouillekochenden Ratte Rémy? Mit Perdita und den anderen Dalmatinern? Hatte er danach nicht gesagt: "Ich will auch so einen haben." Dann lauter: "Ich. Will. Will. Will aber." Und wollten wir als Kinder nicht selbst einen Lassie? Haben wir uns nicht geschworen: Wenn wir groß sind, dann erfüllen wir unseren Kindern diesen Wunsch? Nur diesen einen.

Über solche Eltern ärgert sich Elena, die eigentlich anders heißt, immer mal wieder. Sie arbeitet im Futterhaus, einem Zoogeschäft in Wiener Neustadt, Österreich. Hier verkauft sie Knistersäcke für Katzen, Rinderohren für Hunde und eben Kleintiere.

Jetzt, kurz vor Weihnachten, sei das lebende Angebot im Laden nicht mehr besonders groß, sagt Elena. Kaninchen? Ausverkauft. Hamster? Drei, vielleicht. Mäuse? Eine. Das ist Absicht: Zu Weihnachten soll im Laden nichts mehr rascheln, fiepen und piepen. Damit eben nicht jene Eltern kommen und kaufen, die nur an Weihnachten denken, nicht an die Zeit danach. Denn: "Uns geht es nicht ums Geschäft", sagt Elena. "Bei uns steht das Tier an erster Stelle."

Das klingt fast zu schön, würde sich auch auf einem Werbeplakat gut machen, und doch wirkt Elena glaubwürdig. Hätten sie und ihre Kollegen sonst diesen Zettel in ihr Geschäft gehängt?

KEINE LEBENDEN GESCHENKE ZU WEIHNACHTEN

Liebe Kunden,

Haustiere sind KEINE Weihnachtsgeschenke und deswegen werden wir im Zeitraum vom 15. Dezember bis 02. Januar 2015 keine Nager und Vögel verkaufen.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis!

Das verstehen viele, aber natürlich nicht alle. "Sie wissen doch, wie die Menschen manchmal sind", sagt Elena. Manche fühlten sich bevormundet, andere sähen gar ihre Privatsphäre verletzt. Aber, sagt Elena, sie und ihre Kollegen stünden hinter dem Schreiben, auch andere Filialen in Österreich und Deutschland ziehen mit. "Wir haben keinen Verkaufszwang", sagt Elena, "wenn wir einem Menschen ein Tier nicht geben wollen, dann müssen wir es nicht."

Haustieren täte es sicher gut, gäbe es mehr Elenas in der Welt. Natürlich gibt es viele Kinder, die ihre Schnuckis und Bunnys und Flöckchens sehr lieben. Aber es gibt eben auch jene, die ihren Nemo die Toilette runterspülen, um ihm die Freiheit zu schenken. In Frankreich sollen nach dem Kino-Erfolg von Ratatouille-Rémy vier Millionen Haustier-Ratten gelebt haben, doppelt so viele wie im Jahr vor Rémy. Wo diese Tiere sich verstecken, sollten Kinder sie verstoßen, will man lieber nicht so genau wissen.

So gesehen ist ein weihnachtliches Nager-Verbot irgendwie ja auch ein Akt der Nächstenliebe. Dürfte dem Christkind also gefallen.

Fundstück
  • Theo Lüpke-Narberhaus
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    Mit der Einsendung der Bilder erklärt der Absender, dass er die Rechte an dem Material besitzt und mit der honorarfreien Veröffentlichung einverstanden ist.

13 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
felisconcolor 22.12.2014
vanny1984 22.12.2014
davyjones 22.12.2014
Max Dralle 22.12.2014
lasorciere 22.12.2014
jujo 22.12.2014
skoodge 22.12.2014
altebanane 22.12.2014
rindsgingel 22.12.2014
camemberta 22.12.2014
Zappapa 22.12.2014
Spiegelleserin57 22.12.2014
fridagold 22.12.2014

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Ein Zettel und seine Geschichte
  • Frauke Lüpke-Narberhaus
    Tausende Schätze kleben an Litfaßsäulen, an Laternenpfosten, Stromkästen und Bäumen - oft missachtet von Fußgängern, oft fälschlicherweise für Müll gehalten und beseitigt. Mal erzählen sie von einer entlaufenen Katze, mal von einer verschwundenen Blume, mal von der großen Liebe, die unangesprochen entwischt ist.

    Zettelgold birgt diese Schätze und fragt nach, was der Aushang bewirkt hat: Hat sich die große Liebe gemeldet? Ist die Katze wieder aufgetaucht? Hat sich der Blumendieb entschuldigt?

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Ein Zettel und seine Geschichte: Mutter wider Willen


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