Brandschutz Stuttgarter Fernsehturm wird geschlossen

Er gilt als Wahrzeichen und als weltweit erstes Bauwerk seiner Art - trotzdem wird der Stuttgarter Fernsehturm jetzt für Besucher geschlossen, und das womöglich für immer. Grund sind Brandschutzauflagen, gegen die der Bau aus dem Jahr 1956 verstößt.

DPA/Patrick Seeger

Stuttgart - Den 279 Meter hohen Heinrich-Hertz-Turm in Hamburg hat es bereits vor Jahren erwischt - jetzt ist das 62 Meter kleinere Wahrzeichen der Stadt Stuttgart an der Reihe: Der berühmte Fernsehturm in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs muss für den Besucherverkehr geschlossen werden - und das womöglich für immer. Grund sind Brandschutzvorschriften, die das Gebäude aus dem Jahr 1956 nicht erfüllt.

"Bei einem Brand würde der Fernsehturm zu einer lebensbedrohenden Falle für die Besucher", sagte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne). Eine Evakuierung dauere mindestens eine Stunde - das sei zu lang. Schon von diesem Donnerstag an werde kein Besucherverkehr mehr möglich sein. Nur Technikern sei der Zugang weiter erlaubt.

Der Südwestrundfunk (SWR) reagierte überrascht: "Dass der Fernsehturm jetzt aus Sicherheitsgründen kurzfristig geschlossen werden muss, trifft uns völlig unvorbereitet", sagte Siegfried Dannwolf, Geschäftsführer der SWR Media Services GmbH.

Sanierung erst vor zwei Jahren

Kuhn sagte, die Risikobewertung habe sich im Laufe der Zeit in Deutschland und in Stuttgart so geändert, dass es heute keine andere Möglichkeit mehr gebe, als den Besucherverkehr auf dem 217 Meter hohen Turm zu untersagen. Die Fluchtmöglichkeiten seien unzureichend. Kuhn zufolge müssten im Notfall zwischen 100 und 250 Menschen in Sicherheit gebracht werden - und zwar über eine sehr enge Treppe im Turm. Ob das beliebte Bauwerk irgendwann wieder für den Besucherverkehr geöffnet werden kann, ist noch unklar.

Der SWR habe bei der Turmsanierung 2011 mit Millionen-Aufwand den Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht, sagte Dannwolf. Dabei seien alle Auflagen der Städtischen Behörden erfüllt worden. "Wir werden nun prüfen, wie wir die für uns neuen und nicht absehbaren Auflagen erfüllen können und ob ein wirtschaftlicher Betrieb dann überhaupt noch möglich ist." Ziel sei es, das einzigartige Bauwerk und Wahrzeichen der Landeshauptstadt für die Bürger zu erhalten.

Der 1956 offiziell eröffnete Fernsehturm war der erste Stahlbetonfernsehturm der Welt. Er wurde zum Vorbild für viele andere Türme - etwa für die Space Needle in Seattle (USA). Bis zuletzt war der Stuttgarter Fernsehturm auch ein beliebtes Touristenziel. Im Turmkorb, zu dem man über Aufzüge gelangt, sind ein Café, die Technik des Südwestrundfunks und zeitweise ein Theater untergebracht. Laut Kuhn war eine Genehmigung für das Theater ausgelaufen. Bei der Prüfung des neuen Antrags seien die Brandschutzlücken aufgefallen.

Schließung von Türmen auch in Köln, Frankfurt oder Hamburg

Kuhn räumte ein, dass ihm die Entscheidung zur Schließung schwergefallen sei, da er die Bedeutung des Fernsehturms für Stuttgart und Baden-Württemberg kenne. Wenn der Turm aber offengehalten werde und dann etwas passiere, wäre das ein schwerer Fehler, den niemand verzeihen würde. Kuhn verwies auf Notfälle in ähnlichen Gebäuden. So hatte ein Kabelbrand im Jahr 2000 das Innere des Moskauer Fernsehturms fast komplett zerstört. Drei Menschen kamen damals ums Leben. Auch in Köln, Frankfurt, Hamburg und Nürnberg wurden laut Kuhn in den vergangenen Jahren Fernsehtürme geschlossen.

Nach Angaben von Kuhn soll nach Ostern geprüft werden, ob es Möglichkeiten für einen verbesserten Brandschutz gibt, so dass der Turm wieder freigegeben werden kann. Der Leiter der Branddirektion, Frank Knödler, verwies darauf, dass der Turm zwar Sprinkleranlagen habe. Im Brandfall könnten die Technikräume auch mit Stickstoff geflutet werden. Trotzdem blieben große Teile des Turms brennbar. "Und wenn sie brennbar sind und wir leider nur einen Rettungsweg haben, aber dieser verhindert wäre, wäre eine erhebliche Sicherheitsgefahr für Leib und Leben da."

rls/dpa

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insgesamt 168 Beiträge
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Seite 1
streckengeher 27.03.2013
1. Verhältnismäßig?
Da gerät gerne mal die Verhältnismäßigkeit aus dem Blick. Auch wenn das Risiko im Brandfall da sein mag, so ist die Wahrscheinlichkeit doch äußerst gering. Wie viele Tote hatten wir denn in den letzten hundert Jahren durch brennende Fernsehtürme? Als die Schutzmaßnahmen noch weit geringer waren als heute? Es ist doch ungleich wahrscheinlicher, dass ich auf dem Weg zum Fernsehturm von einer rasenden Blechkiste getötet oder verletzt werde. Deswegen verbieten wir die doch aber auch nicht. Das ist dann allgemeines Lebensrisiko.
cyberboy 27.03.2013
2.
der Turm steht seit 57 Jahren da und jetzt hat sich irgendjemand eine neue Vorschrift einfallen lassen. Das ist irgendwie so typisch. Seit wann hat der Bürgermeister einer Stadt damit auch nur irgendwas zu tun? Zur Not wäre es ja auch machbar, die Anzahl der Besucher zu beschränken. Aber so geht es auch. Bald stehen in Deutschland nur noch Industriedenkmäler rum.
herrdörr 27.03.2013
3.
Man sollte ein riesiges Warnschild anbringen, dann kann jeder selbst entscheiden, ob er das Risiko eingehen will.
audiobaer 27.03.2013
4. Abreissen?
Vermutlich sind viele alte Gebäude mit den heutigen Bestimmungen zum Brandschutz nicht mehr"verwendbar".Vermutlich muss der Kölner Dom abgerissen werden und mit ihm viele denkmalgeschützte Gebäude. Aber die waren nun mal als erste da und dann kamen erst die Auflagen. Klar dass der Fluchtweg ein Problem sein kann. Aber wo hat ein Airbus oder eine Boeing ihren Fluchtweg, wenn sie in der Luft ist. Aha, da braucht man keinen? Obwohl da auch 200 und mehr Leute drin sind. Es geht nicht um die Sicherheit der Personen, es geht allein darum, dass im Ernstfall Forderungen von zu Schaden gekommenen Personen auf einen zu kommen. Eigentlich mehr eine juristische Vorsichtsmaßnahme. Sollen halt alle Besucher mit dem Erwerb der Eintrittskarte auf eventuelle Schadensersatzansprüche verzichten und dann kann alles bleiben wie es war. Oder wir sprengen die alten Hütten.
ratschbumm 27.03.2013
5. Ja wozu glauben Sie denn sind die so
Zitat von streckengeherDa gerät gerne mal die Verhältnismäßigkeit aus dem Blick. Auch wenn das Risiko im Brandfall da sein mag, so ist die Wahrscheinlichkeit doch äußerst gering. Wie viele Tote hatten wir denn in den letzten hundert Jahren durch brennende Fernsehtürme? Als die Schutzmaßnahmen noch weit geringer waren als heute? Es ist doch ungleich wahrscheinlicher, dass ich auf dem Weg zum Fernsehturm von einer rasenden Blechkiste getötet oder verletzt werde. Deswegen verbieten wir die doch aber auch nicht. Das ist dann allgemeines Lebensrisiko.
wichtigen Beamten der Feuerwehren da ? Die müssen jeden auch noch so abwegigen Fall prüfen und dann auch komplett ausschließen. Das ist wie mit dem Terrorismus: Jeder Selbstmordattentäter muss einen roten Aufnäher an der Sprengstoffweste tragen. Ein Datenblatt und eine Gefahrstofferklärung muss er auch in der Tasche haben.
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