Südindien: Dutzende Menschen sterben in brennendem Zug

Inferno in einem indischen Personenzug: Dutzende Menschen sind ums Leben gekommen, als in ihrem Waggon ein Feuer ausbrach. Für die Passagiere gab es einen einzigen Ausgang zur Flucht, die Fenster waren vergittert.

AP

Delhi - Es war kurz nach 4 Uhr morgens, als in Wagen S 11 des Tamil Nadu Express ein Feuer ausbrach. Die Passagiere schliefen, sie hatten noch rund zwei Stunden Fahrt vor sich, bis der Zug an seinem Zielort Chennai ankommen sollte. Dann bemerkte jemand den Brand, der in der Nähe der Toilette an einem Ende des Waggons mit rund 70 Sitzen ausgebrochen war. Die Menschen versuchten, aus dem Abteil zu kommen - doch Dutzende starben in den Flammen.

Ein Bahnsprecher sprach von 47 Toten. 28 Fahrgäste seien mit Verbrennungen in Krankenhäuser gebracht worden, zwei von ihnen befänden sich in kritischem Zustand. Eine Sprecherin des Eisenbahnministeriums hatte kurz zuvor gesagt, bestätigt seien bislang fünf Tote, "aber wir fürchten, dass sich die Opferzahl noch deutlich erhöht". Ein weiterer Behördensprecher bezifferte die Zahl der Toten auf 30.

Der Zug war auf dem Weg von Neu-Delhi in die Stadt Chennai und befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Bundesstaat Andhra Pradesh nahe der Stadt Nellore, 500 Kilometer südlich von Hyderabad. Da derzeit nicht klar ist, ob unterwegs schon Menschen ausgestiegen sind, ist die genaue Passagierzahl nicht bekannt.

"Ich sah nur schwarzen Rauch"

Der brennende Waggon sei von einem Aufsichtsbeamten eines Bahnhofs bemerkt worden, der Zug sei daraufhin gestoppt worden, sagte der Bahnsprecher aus Andhra Pradesh. Der Waggon sei dann abgekoppelt worden, um ein Übergreifen auf den Rest des Zuges zu verhindern. Das Feuer sei inzwischen gelöscht.

Vermutlich hat ein elektrischer Kurzschluss den Waggon in eine Flammenhölle verwandelt. "Die Flammen breiteten sich sehr schnell aus", sagte der Bahnsprecher. Das Feuer sei in der Nähe der Toilette ausgebrochen und habe den dortigen Ausgang unpassierbar gemacht. Da die Fenster des Zuges mit Metallstäben versehen sind, blieb den Passagieren nur ein Ausgang für die Flucht.

"Ich wachte auf, weil ich laute Schreie hörte. Ich sah nur schwarzen Rauch", sagte ein Überlebender der indischen Tageszeitung "The Hindu". Er habe durch die Tür entkommen können, sagte der 23-Jährige. Seine Schwester, mit der er zusammen reiste, wird noch vermisst.

Züge in Indien sind meist überfüllt, die Menschen sind regelrecht in den Waggons eingepfercht. Bei dem ausgebrannten Wagen handelte es sich offenbar um einen mit Schlafsitzen, die man buchen muss. Einige Züge haben Gitter vor den Fenstern, so dass in einem Notfall nur die Ausgänge als Fluchtwege bleiben.

siu/dpa/AFP

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