Vermeintlicher Zugdiebstahl: Bahnbetreiber entschuldigt sich bei 22-Jähriger

Unglücksort in einem Vorort von Stockholm: Großes Bedauern nach falscher Anschuldigung Zur Großansicht
Rikard Stadler/ Demotix

Unglücksort in einem Vorort von Stockholm: Großes Bedauern nach falscher Anschuldigung

Eine Schwedin ist fälschlicherweise beschuldigt worden, einen Zug gestohlen und damit einen schweren Unfall verursacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen die 22-Jährige eingestellt. Stattdessen sollen technische Fehler zum Unglück geführt haben.

Stockholm - Drei Tage nach dem Zugunglück im Stockholmer Vorort Saltsjöbaden hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen eine 22-Jährige eingestellt. Schwedische Bahnbetreiber hatten sie beschuldigt, den Zug gestohlen zu haben und mit ihm in ein dreistöckiges Wohnhaus gerast zu sein. Doch nun wirft Ankläger Pär Andersson dem Bahnbetreiber Arriva und der Bahnaufsicht SL "mehrere ernste Sicherheitsmängel am Zug und auf der Bahnanlage" vor. Sie könnten die Ursache dafür sein, dass sich der Zug irrtümlich in Gang gesetzt habe.

Bei dem im Depot abgestellten Zug waren demzufolge weder die Bremsen angezogen noch die Weichen nach draußen korrekt gestellt, wie SL-Sprecherin Suss Forsman Tullberg bestätigte. Auch sei der Verkehrsleitstand für die Vorortbahn nicht mehr besetzt gewesen.

Offenbar steckte auch der Startschlüssel im Führerpult. Es wird vermutet, dass die Reinigungskraft ihn bei der Arbeit aus Versehen betätigte. Der Zug setzte sich in Bewegung, wurde immer schneller und durchbrach nach anderthalb Kilometern einen Prellbock. Dass die neun Bewohner des Hauses bei dem Aufprall unverletzt blieben, bezeichnete die Polizei als ein Wunder.

Die 22-Jährige war zwei Stunden im Führerstand eingeklemmt und musste per Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden. Weil der private Bahnbetreiber Arriva sowie dessen Aufsichtsbehörde SL umgehend einen Diebstahl des Zuges als einzig denkbare Ursache nannten, verfügte die Polizei die Festnahme der nicht vernehmungsfähigen Frau. Außer ihr war niemand an Bord.

"Wir bedauern, dass wir nicht von Anfang an die Möglichkeit auch technischer Fehler und eines Irrtums als Unglücksursache genannt haben", sagte Arriva-Sprecher Tomas Hedenius. Man biete der bei einem Subunternehmer angestellten Frau und ihrer Familie "jede erdenkliche praktische Hilfe" an.

SL-Sprecherin Suss Forsman Tullberg sagte im Rundfunksender SR: "Ich kann gar nicht genug bedauern, dass ich das Wort Diebstahl in den Mund genommen habe." Staatsanwalt Andersson kündigte weitere Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen die Arbeitssicherheit an. Verantwortlich dafür seien Arriva und SL.

aar/dpa

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Staatsoberhaupt: König Carl XVI. Gustaf

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