Zurwehme Die Spur verliert sich immer wieder


Hamburg - Der mutmaßliche "Mörder von Remagen", Dieter Zurwehme, gilt in den Augen der Polizeibehörden als äußerst gefährlich. Der Mann ist circa 1,79 Meter groß, von kräftiger Gestalt und hat nach Angaben der Polizei graue Haare, eine Stirnglatze und blaue Augen. Seit Ende 1998 wird nach dem 56jährigen gesucht. Doch seine Spur hat sich immer wieder verloren.

Zurwehme flüchtete am 2. Dezember 1998 aus dem offenen Vollzug einer Strafanstalt in Nordrhein-Westfalen. Dort verbüßte er seit 1974 eine lebenslange Freiheitsstrafe. 1973 war er wegen Mordes an einer Frau, Sexual- und Raubstraftaten sowie Kfz-Diebstählen in Aachen verurteilt worden. Er wird verdächtigt, am 21. März dieses Jahres zwei ältere Ehepaare in Remagen am Rhein erstochen zu haben. Für Hinweise zur Ergreifung des Flüchtigen ist eine Belohnung von 10.000 Mark ausgesetzt.

Fast acht Wochen nach dem Mord von Remagen vermuteten die Ermittler Zurwehme im Allgäu. Der 56jährige habe sich am 11. Mai nachweislich in der Nähe von Lindau am Bodensee aufgehalten, teilte das Bayerische Landeskriminalamt mit. Trotz dutzender Hinweise aus der Bevölkerung verlor sich aber diese Spur.

Ende Mai wurde Zurwehme dann mit einem vierfachen Mord an zwei niederländischen Ehepaaren in Südfrankreich in Verbindung gebracht. Zwei Angestellte einer Bank in der Region hätten ihn wiedererkannt, hieß es bei den Ermittlungsbehörden.

Einen Monat später kam es zu einer fatalen Panne bei den Ermittlungen: Thüringer Zivilfahnder erschossen am 28. Juni im thüringischen Heldrungen einen 62jährigen Urlauber aus Köln. Die Beamten hatten ihn irrtümlich für Zurwehme gehalten, nachdem eine Kellnerin nach einer Fahndungssendung im Fernsehen die Ermittler alarmiert hatte. Im mehrere hundert Kilometer entfernten Dresden wurde wenig später ein stadtbekannter Straßenmaler vorübergehend festgenommen, den man ebenfalls für den gesuchten Straftäter gehalten hatte.

In der vergangenen Woche tauchte Zurwehme wieder auf. Am Mittwoch wollte er im niedersächsischen Stadthagen ein Mädchen vergewaltigen. Die 15jährige konnte sich jedoch erfolgreich gegen den Angriff wehren. Die Polizei ist sich wegen einer DNA-Analyse von Blutspuren sicher, daß der Vergewaltigungsversuch auf Zurwehmes Konto geht.

Am Sonntag durchsuchten die Fahnder dann in einer Großaktion ein Maisfeld in Bückeburg bei Stadthagen, wohin sich der Gesuchte nach Augenzeugenberichten geflüchtet hatte. Zurwehme entkam unentdeckt.



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