Unglück in Mali Zweite Blackbox der Air-Algérie-Maschine gefunden

In der Wüste von Mali ist der zweite Flugschreiber der verunglückten Air-Algérie-Maschine gefunden worden. Erste Untersuchungen am Unfallort haben ergeben, dass ein Anschlag höchst unwahrscheinlich ist.

Trümmerteile des Air-Algérie-Flugzeugs: Schlechtwetter wohl Absturzursache
AFP/ ECPAD

Trümmerteile des Air-Algérie-Flugzeugs: Schlechtwetter wohl Absturzursache


Ouagadougou/Paris - Uno-Experten haben die zweite Blackbox des am Donnerstag in Mali abgestürzten Flugzeugs von Air Algérie lokalisiert. Das teilten die Vereinten Nationen mit. Den ersten Flugschreiber, der am Freitag geborgen wurde, haben französische Soldaten bereits zur Auswertung in die malische Stadt Gao gebracht.

Sie liegt rund 80 Kilometer oder sechs Stunden Fahrt von der Absturzstelle in der Region Gossi entfernt. Noch am Samstag wird ein französisches Ermittlerteam an dem schwer zugänglichen Ort in der Savanne erwartet. Experten aus Mali, Burkina Faso, Algerien und Spanien seien ebenfalls vor Ort, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius.

Nach ersten Erkenntnissen war die Unfallursache höchstwahrscheinlich extrem schlechtes Wetter. Die McDonnell Douglas MD-83 sei erst beim Aufprall auf dem Boden zerborsten, teilten französische Behörden am Freitagabend mit. Die Trümmer an der Unglücksstelle liegen auf einer vergleichsweise kleinen Fläche von etwa 300 mal 300 Metern. Bei einer Explosion in der Luft wären die Überreste in einem weiteren Umkreis verstreut.

Am Freitag hatte Außenminister Fabius auf die Frage nach einem möglichen Terroranschlag erklärt, dies sei nicht sehr wahrscheinlich, es dürften jedoch "keine Hypothesen ausgeschlossen werden, bevor uns nicht alle Informationen vorliegen". In der Gegend hätten starke Stürme geherrscht.

"Wir vermuten, dass der Absturz mit schlechten Wetterbedingungen zu tun hat", sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve. Dies sei die wahrscheinlichste Theorie. Dafür spricht laut Verkehrsstaatssekretär Frédéric Cuvillier neben den kaum verstreuten Flugzeugteilen auch ein starker Kerosingeruch am Absturzort.

Im Gegensatz zu Cazeneuve warnte Cuvillier jedoch davor, sich ganz auf die schlechten Wetterbedingungen als Unglücksursache zu konzentrieren. "Das Wetter allein verursacht nicht solche schweren Unfälle", sagte er. Vermutlich seien noch andere Probleme, eventuell technischer Natur, hinzugekommen. Swiftair, Eigentümer der von Air Algérie geleasten Maschine, teilte mit, es sei zu früh, über die Ursachen zu sprechen.

"Keine Sitze, keine Spur von Menschen"

Freitagnacht sind Luftaufnahmen von der Absturzstelle im französischen Fernsehen gezeigt worden. Von oben sieht man lediglich einen schwarzen Krater im Sand. Zeugen sagen laut dem britischen "Guardian", dass sie "keine Sitze, kein Gepäck, keine Spuren von Menschen" gesehen hätten und das Flugzeug wie pulverisiert aussähe.

Ein Video, aufgenommen von Soldaten aus Burkina Faso, zeigt lediglich verbogene Metallstücke, aber keine identifizierbaren Teile wie ein Heck oder Benzinleitungen. "Wir sind noch nicht einmal sicher, ob wir die Überreste der Toten wieder zuordnen können", sagte der Premierminister von Burkina Faso, Lux Adolphe Tiao, in einer Pressekonferenz.

Flug AH5017 war am frühen Donnerstagmorgen auf dem Weg von Ouagadougou in die algerische Hauptstadt Algier, als rund 50 Minuten nach dem Start der Funkkontakt abriss. Es gab Hinweise, dass der Pilot eine Schlechtwetterfront umfliegen wollte.

Den Absturz hat keiner der Insassen der Air-Algérie-Maschine überlebt. Die Zahl der Toten ist inzwischen von anfangs 116 auf 118 korrigiert worden, darunter sind laut dem französischen Außenministerium 54 und nicht 51 Franzosen, wenn die Passagiere mit doppelter Staatsangehörigkeit mitgezählt werden. Zu den Opfern gehören auch vier Deutsche, eine deutsche Entwicklungshelferin und ihre Familie.

Flug AH5017: Absturz südwestlich von Gao
SPIEGEL ONLINE

Flug AH5017: Absturz südwestlich von Gao

abl/Reuters

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