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Zyklon "Pam" wütet in Vanuatu: Das Paradies ist zerstört

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Eingestürzte Häuser, umgeknickte Bäume, vernichtete Felder: Zyklon "Pam" lässt den Inselstaat Vanuatu verwüstet zurück. Die Regierung rief den Notstand aus, der Präsident sagt: "Unsere Hoffnung auf eine blühende Zukunft ist zerstört."

Port Vila - Baldwin Lonsdale rang um Fassung, als er seinen Hilferuf an die internationale Gemeinschaft richtete: "Ich appelliere im Namen meiner Regierung und des Volkes an Sie, uns eine Hand zu reichen, um mit diesem Unglück fertig zu werden." Seine Landsleute hätten alle Hoffnung verloren und seien panisch, er befürchte das Schlimmste, sagte der Präsident des Pazifikstaates Vanuatu bei einer Uno-Konferenz zur Katastrophenvorsorge. "Unsere Hoffnung auf eine blühende Zukunft ist zerstört."

Das Unglück, das Lonsdale verzweifeln lässt, heißt "Pam" und ist ein Zyklon der gefährlichsten Kategorie 5. Der Sturm war mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern in der Stunde über Vanuatu hinweggezogen. Augenzeugen beschrieben, wie bis zu acht Meter hohe Wellen über das Land hereinbrachen. Die Folgen des Zyklons sind so verheerend, dass die Regierung den Notstand ausrief.

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Aufräumen nach Zyklon "Pam": Chaos in Port Vila
Inzwischen sind die ersten Flugzeuge mit Hilfsgütern unterwegs. Neuseeland schickte ein Hercules-Transportflugzeug mit zehn Tonnen Hilfsgütern, darunter Nahrungsmittel und Erste-Hilfe-Pakete. Vanuatus Hauptinsel ist in drei Flugstunden sowohl von Brisbane in Australien als auch von Auckland in Neuseeland zu erreichen.

Postkarten-Ansichten von Espiritu Santo auf Vanuatu: So sah es vor "Pam" aus Zur Großansicht
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Postkarten-Ansichten von Espiritu Santo auf Vanuatu: So sah es vor "Pam" aus

Das Ausmaß der Schäden lässt sich derzeit nur erahnen, weil jegliche Verbindung zu rund 80 Inseln Vanuatus abgebrochen ist. Nur in der Hauptstadt Port Vila funktionierte der Mobilfunk. Die australische Luftwaffe wollte sich mit Aufklärungsflügen einen Überblick verschaffen. Nach offiziellen Angaben wurden bis Sonntag sechs Tote geborgen. Doch es gibt Berichte über mindestens 44 Opfer allein in einer Provinz.

... und solche Bilder sieht man jetzt: Strand der Hauptstadt Port Vila Zur Großansicht
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... und solche Bilder sieht man jetzt: Strand der Hauptstadt Port Vila

Ganze Gemeinden regelrecht "weggeblasen"

In Port Vila mit rund 44.000 Einwohnern sind 90 Prozent der Häuser beschädigt oder zerstört, schätzen Helfer vor Ort. "Viele Menschen haben heute begonnen, ihre Dächer zu reparieren und nasse Matratzen und Kleidung in der Sonne zu trocken", sagte Christopher Bartlett, Leiter des Büros der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit in Port Vila. Telefon- und Strommasten lagen auf der Straße, Boote wurden aus der Verankerung am Hafen gerissen, Felder zerstört. "Man konnte in den ersten 36 Stunden kaum aus dem Haus, weil Stromkabel abgerissen über den Straßen hingen", sagt Bartlett.

"Pam" ist einer der gefährlichsten je gemessenen Zyklone. Der Sturm hatte Vanuatu in der Nacht zu Samstag mit voller Wucht getroffen. "Dies dürfte eine der schlimmsten Katastrophen sein, die wir je im Pazifik gesehen haben", sagte der Vanuatu-Direktor der Hilfsorganisation Oxfam, Colin Collet van Rooyen. Der Bedarf an humanitärer Hilfe sei riesig, ganze Gemeinden seien regelrecht "weggeblasen" worden.

"Vanuatu hat ein Desaster dieses Ausmaßes in seiner jüngeren Geschichte noch nicht erlebt", sagte Sune Gudnitz, Chef des Pazifikbüros der Uno-Nothilfekoordination (OCHA). Besonders besorgt sei er, weil es noch keine Nachricht von der dicht besiedelten Insel Tanna im Süden gebe. Allein dort leben 29.000 der insgesamt 250.000 Einwohner Vanuatus. Das Land gehört zu den ärmsten Nationen der Welt. Auf einer Rangliste, die zeigt, wie stark Länder von Naturgewalten bedroht sind, belegt Vanuatu den ersten Platz.

"Pam" richtete auch in Nachbarstaaten Vanuatus wie den Salomonen-Inseln und Neukaledonien Schäden an. Am Sonntag zog "Pam" weiter Richtung Süden. Neuseeland bereitete sich auf Sturmfluten an der Nordküste vor.

ulz/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Man schaue sich Bild 7 an.
krise0815 15.03.2015
Das beige Gebäude ist unbeschädigt. Ich empfehle, Steine und Zement zu liefern. Und den betroffenen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Wird nicht der letzte Sturm gewesen sein.
2. cyclone Pam
hansfohlmeister 15.03.2015
In der Bild-Unterschrift Ihrer Foto-Strecke Bild 13 schreiben Sie, dass Pam inzwischen Australien erreicht habe und bei Carnarvon auf Land getroffen sei. Carnarvon liegt in West-Australien und kann unmoeglich von Pam erreicht worden sein. Tatsaechlich ist dort der Cyclone Olwyn gelandet. Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. K. Bonte/Redaktion
3. Falsche Überschrift
sober 15.03.2015
"Das Land gehört zu den ärmsten Nationen der Welt. Auf einer Rangliste, die zeigt, wie stark Länder von Naturgewalten bedroht sind, belegt es den ersten Platz" - Extreme Arbeitslosigkeit und Diabetes-Raten könnte man auch noch anführen. Dort am anderen Ende der Welt wurde viel zerstört, aber ganz sicher nicht das Paradies.
4. Frechheit
tobgun 15.03.2015
Wie zynisch hier kommentierz wird. Es sind immernoch Menschen in Not und anstatt diversen Ländern in der EU Geld in den aller Wertesten zu blasen, sollte man hier beweisen was es heißt Mensch zu sein. Geld ist immer für alles da, solange es durch Medien genug propagiert wurde.
5. ..
denkmal! 15.03.2015
Die Einwohner Vanuatus führten 2006 die Liste der glücklichsten Menschen der Welt an. Was bedeutet Armut in einem Land, wo Geld kaum eine Rolle spielt, aber jeder genug zu Essen hat, ein Dach über dem Kopf und eine ausgesprochen üppige und intakte Natur als Umwelt hat? Ich bin mehrere Male im Segelschiff durch Vanuatu gereist, kenne auch die entlegensten Inseln und ihr Einwohner. Auch wenn sie nun von diesem Wirbelsturm heimgesucht wurden, zweifle ich nicht, dass sie bald wieder zu den glücklichsten, ungestresstesten Menschen der Welt zählen werden. "Das Paradies" wird nicht so schnell untergehen.
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