Sri Lanka und Bangladesch Auf der Flucht vor dem Zyklon

Sturm, Überschwemmungen, Erdrutsche: Ein Tropensturm hat erst Sri Lanka und dann Bangladesch getroffen. Hunderttausende Menschen sind auf Hilfe angewiesen.


Über Sri Lanka sind die schwersten Regenfälle seit einem Vierteljahrhundert niedergegangen. 21 der 25 Bezirke des Landes sind von den Überschwemmungen und Erdrutschen betroffen, landesweit wurden mehr als eine halbe Million Menschen in die Flucht getrieben, berichten die Behörden.

Mindestens 80 Menschen sind ums Leben gekommen. Die Rettungskräfte des Inselstaats im Indischen Ozean bargen nach dem schweren Zyklon "Roanu" am Wochenende im Bezirk Kegalle weitere Leichen.

Der Bezirk Kegalle, rund hundert Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Colombo, war von den Überschwemmungen am stärksten betroffen. Allein dort wurden 48 Leichen geborgen. Die Zahl der Vermissten wurde vom Katastrophenschutz am Sonntag mit 118 angegeben. Am Sonntag ging das Hochwasser allmählich zurück. Die Aufräumarbeiten könnten aber erst in ein paar Tagen beginnen, sagte Pradeep Kodippili vom Zentrum für Katastrophenschutz.

Allein aus der 650.000-Einwohner-Stadt Colombo flohen rund 200.000 Menschen vor den Fluten. Zum Teil brachten sie sich mit Schlauchbooten und selbstgebauten Flößen in Sicherheit. Fast 300.000 Menschen kamen vorerst in den etwa 500 vom Staat betriebenen Aufnahmezentren unter, weitere 200.000 fanden Zuflucht bei Verwandten oder Freunden. Aus Furcht vor dem Ausbruch von Krankheiten entsandte das Gesundheitsministerium Ärzte und medizinisches Personal in die am stärksten betroffenen Gebiete.

In den Überschwemmungsgebieten lief eine internationale Hilfsaktion an. In Colombo landete am Samstag ein erstes Flugzeug mit Hilfsgütern aus Indien, zwei indische Marineschiffe erreichten den Hafen. Indien stellt Schlauchboote, Außenbordmotoren, Tauchgeräte, Stromgeneratoren, Schlafsäcke, medizinische Hilfe, Regenjacken und Schirme für die Flutopfer zur Verfügung.

Das am Samstag begangene Vesakfest, der höchste buddhistische Feiertag, fiel dieses Jahr bescheidener aus als üblich. Der buddhistische Klerus hatte die Gläubigen aufgefordert, mindestens die Hälfte ihrer Festausgaben für die Unwetteropfer zu spenden. Auch Staatschef Maithripala Sirisena forderte seine Mitbürger auf, Bedürftigen zu helfen und sie bei sich aufzunehmen.

Tropensturm in Bangladesch

Der Zyklon "Roanu" zog von Sri Lanka weiter nach Bangladesch. Er sei nahe der Hafenstadt Chittagong im Südosten Bangladeschs auf Land getroffen, meldete der Wetterdienst. Rund 20 Kilometer Dämme seien zerstört worden.

Etwa eine halbe Million Menschen in den Küstengebieten wurden in Sicherheit gebracht. Die Meteorologen warnten vor schweren Regenfällen und Flutwellen.

Mindestens 24 Menschen starben. Viele von ihnen seien durch umstürzende Bäume oder einstürzende Häuser zu Tode gekommen, teilten die Behörden am Samstag mit. Mehr als 50.000 Wohnhäuser seien beschädigt worden.

wbr/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.