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Zyklon "Yasi": "Es ist ein Monster, ein Killer-Sturm"

Kilometerhohe Wolkenwände, entwurzelte Bäume, Stromausfall: Die ersten Ausläufer des Rekord-Sturms "Yasi" haben die Nordostküste Australiens erreicht. Behörden warnen diejenigen, die sich nicht auf die Flucht begeben haben. Jetzt sei es zu spät dafür.

Sydney - Der Wirbelsturm "Yasi" rückt spürbar näher: Erste Ausläufer des Zyklons haben die Nordostküste Australiens bereits erreicht und erste Bäume entwurzelt. Zwischen Cairns und Townsville türmten sich kilometerhohe dunkle Wolken, in Ayr südlich von Townsville fiel der Strom aus.

Für eine Flucht ist es inzwischen zu spät. "Die Menschen müssen jetzt Zuflucht finden, wo sie sind", so die Ministerpräsidentin von Queensland, Anna Bligh. Sie forderte die Anwohner auf, sich in ihren Häusern zu verbarrikadieren. Rund 300.000 Menschen leben im dem betroffenen Gebiet.

Der Ansturm auf Notunterkünfte ist enorm. In Cairns, wo für 122.000 Bewohner sieben solcher Unterkünfte bereitstehen, wies die Polizei weitere Ankömmlinge wegen Überfüllung ab. Eine Anwohnerin, die für sich und ihre Kinder noch Plätze ergattern konnte, berichtet im Rundfunk: "Es ist so beängstigend. Man weiß einfach nicht, was kommt. Wir hoffen, dass wir in zwei Tagen noch hier sind." Das Auge des Zyklons mit einem Durchmesser von rund 400 Kilometern soll in der Nacht (15 Uhr MEZ) bei Innisfail über die Küste ziehen.

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Rekord-Sturm "Yasi": "Die Menschen müssen jetzt Zuflucht finden"
Behörden warnen vor dem schlimmsten Unwetter seit Generationen und stuften den Sturm am Mittwoch in der höchsten Kategorie fünf ein. Der Sturm habe "lebensbedrohliche Folgen", es würden "tsunamiähnliche", riesige Wellen und Hochwasser erwartet. Ministerpräsidentin Bligh sagte, ein derart starker Zyklon habe Queensland zuletzt 1918 heimgesucht. "Es ist ein so ein gewaltiger Sturm, es ist ein Monster, ein Killer-Sturm", sagte sie. "Seine Auswirkungen sind wahrscheinlich lebensbedrohlicher als alles andere in den letzten Generationen Dagewesene."

"Wir haben große Angst"

Zusätzlich sitzen in der Region zahlreiche ausländische Touristen fest. Von Cairns und Townsville aus reisen viele Besucher auf das Great Barrier Reef. Eine Österreicherin, die in Cairns vergebens nach einem Platz in den überfüllten Notunterkünften suchte, sagte der Zeitung "Cairns Post": "Niemand hat uns etwas gesagt. Unsere Verwandten zu Hause machen sich große Sorgen." Andere Backpacker versuchten, Notunterkünfte in der nahe gelegenen Universität zu erreichen. "Wir haben große Angst", so ein 20-jähriger Tourist aus Schweden, "niemand hat uns informiert, wir haben einen solchen Sturm noch nie gesehen."

Kranke und alte Menschen waren bereits am Dienstag mit Militärflugzeugen in sichere Gebiete im Süden gebracht worden. Fluggesellschaften organisierten Sonderflüge, da der Flughafen am Mittwochmorgen bis auf weiteres geschlossen wurde. Für die Zeit nach dem Sturm stehen nach Angaben von Premierministerin Julia Gillard 4000 Soldaten als Hilfskräfte bereit. Auch Militärschiffe und Helikopter wurden bereits geordert.

"Yasi" hat eine Zerstörungskraft wie Hurrikan "Katrina"

Queensland kämpft immer noch mit den Folgen der Überschwemmungen von Anfang des Jahres. Eine Fläche so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen stand dort zeitweise unter Wasser. 30.000 Häuser wurden beschädigt, das Schienennetz teilweise zerstört und zahlreiche Bergwerke überflutet, 35 Menschen kamen ums Leben. Die Schäden liegen in Milliardenhöhe.

Mehr als 400.000 Menschen wohnen in der betroffenen Gegend, zu der auch Touristenzentren und das Great Barrier Reef gehören. Meteorologen warnen, dass "Yasi" seine Kraft lange nach Erreichen der Küste beibehalten und noch Hunderte Kilometer landeinwärts Zerstörung anrichten könnte.

Den Berechnungen zufolge stellt "Yasi" selbst "Tracy" in den Schatten, den bislang schlimmsten Zyklon in Australien. "Tracy" hatte Weihnachten 1974 die Stadt Darwin verwüstet und 71 Menschen in den Tod gerissen. "Yasi" hat eine Zerstörungskraft wie Hurrikan "Katrina", der 2005 die US-Südküste und New Orleans verwüstete.

Anfang der Woche war Zyklon "Anthony" auf Queensland getroffen, hatte über Land aber rasch an Kraft verloren. "Yasi" soll weiter nördlich vorbeiziehen und die Stadt Brisbane verschonen, die von den jüngsten Überschwemmungen besonders betroffen war.

sar/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 35 Beiträge
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1. ...
brooklyner 02.02.2011
Das Auge des Zyklons soll alleine 400 Km Durchmesser haben? Ich glaube, da habt Ihr Euch vertan, schaut Euch noch mal die Satelitenbilder an
2. Zyklon
milli47 02.02.2011
Hallo, ich erwarte vom Spiegel detaillierte geographische Punkte. Wenn der Zyklon Cairns und Townsville trifft, so traurig es ist, dann sind die Städte trotzdem mehr als 1200 Kilometer von Brisbane entfernt.
3. Information
stanislaw 02.02.2011
---Zitat--- "Wir haben große Angst", so ein 20-jähriger Tourist aus Schweden, "niemand hat uns informiert, wir haben einen solchen Sturm noch nie gesehen." ---Zitatende--- Also, auch, wenn man kein englisch spricht: Wenn man hier in Cairns in den letzten vier Tagen auch nur ein Mal draußen gewesen ist oder auch nur einmal das Radio angemacht hat oder den Fernseher, für den ist es eigentlich UNMÖGLICH, nichts von der aufziehenden Wirbelsturmfront mitbekommen zu haben. Man wird hier hervorragend informiert und ein bisschen Eigeninitiative kann nie schaden.
4. "Jahrhundert", "Jahrtausend", "seit Generationen"....
Pixopax 02.02.2011
Interessant welche Superlativen sich die Presse für Stürme immer wieder ausdenkt. Nach "Jahrhundertsturm" folgte der "Jahrtausendsturm". Dann "Monstersturm". Jetzt haben wir den "größten Sturm seit Generationen". Als ob jemand das überhaupt in Australien sagen kann, solange gibt es das Land noch nicht. Am Ende ist es wieder ein Zyklon wie viele, der nur mehr Schaden anrichtet weil mehr Menschen dort wohnen. Was kommt als nächstes? Vorschläge: "Größter Sturm seit Äonen" "Größter Monstersturm seit Menschengedenken" "Supermonstersturm" "Größter Sturm im bekannten Universum (Jupiter nicht mitgerechnet)" (Das Wort "Sturm" kann auch mit anderen Wörtern wie "Flut", "Hitze", "Trockenheit" ersetzt werden, Mehrfachverwendung ist daher möglich)
5. Schau mal an:
stanis laus 02.02.2011
woanders gibt´s auch Wetter.
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Touristen in Australien: Angst vor "Yasi"

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