Es war ein gewisser Größenwahn, mit dem der Architekt und Frontveteran Walter Gropius 1919 auf die tiefe Sinnkrise seiner Zeit reagierte, auch wenn er selbst, fast bescheiden, nur von einer "glühenden Hoffnung" sprach. In Weimar eröffnete er eine Akademie, er nannte sie Bauhaus, wollte dort Künstler und Gestalter ausbilden – und "den neuen Menschen in neuer Umgebung aufbauen".

Hundert Jahre ist das her. Der große Krieg, im November 1918 beendet, hatte die äußere und innere Verletzbarkeit der Menschen bewiesen, nichts davon war 1919 verwunden. Die ganze Gesellschaft erschien noch wie ein Trümmerfeld, vielfach gespalten. Wie ein Dunst legte sich damals etwas über die Epoche und ist seitdem nicht wieder verschwunden: der Glaube an die Vervollkommnung des Menschen.

Künstler, Politiker, esoterische Gurus – alle sprachen plötzlich vom "neuen Menschen", vom "neuen Menschentum", vom richtigen Leben. Selbst Zeitschriften wie "Deutsche Kunst und Dekoration" forderten im Nachkriegsjahr 1919 einen "neuen",

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 1/2019.
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