An einem Sonntagmittag tritt auf der griechischen Insel Chios ein junger Iraker aus einem grauen Wohncontainer. Der Mann, Mitte zwanzig, zieht seine schwarze Wollmütze tief ins Gesicht. Er blinzelt in die Sonne, blickt sich um.

Vor seiner Unterkunft schart sich ein Pulk Menschen um eine dunkelhaarige Frau. Joanne Liu, 53, die internationale Präsidentin der Ärzte ohne Grenzen, ist für ein paar Tage nach Griechenland gekommen, um zu sehen, was es in den Flüchtlingslagern auf den Inseln zu tun gibt.

Im Camp auf Chios leben derzeit rund 1500 Menschen. Es ist nicht, wie viele andere, doppelt oder dreifach belegt. Ein Helfer vor Ort nennt es deshalb lakonisch das "Fünfsternehotel".

Joanne Liu trägt feste Stiefel und eine blaue Jacke. Die weiße Weste mit dem Logo der Organisation hat sie vorhin am Eingang nicht angelegt. Liu möchte herausfinden, wie es den Menschen hier geht. Das funktioniert besser ohne Weste.

Die Frauen und Männer um Liu erzählen von ihrer Heimat, von Syrien oder Afghanistan. Ein

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 22/2018.
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