Belustigt beäugen die Nachbarn die Gestalten, die im August 1920 zum Haus des Arztes Otto Buchinger pilgern, gelegen im hessischen 4000-Seelen-Örtchen Witzenhausen an der Werra. Was für ein Doktor! Lässt seine Patienten kräftig zahlen – dafür, dass er ihnen nichts zu essen gibt. Denn für medizinisch überwachte Hungerkuren kommen die ersten Kasteiungswilligen zu Buchinger, in diesem Sommer 42 Jahre alt und Fastenguru in spe.

Wenig erscheint so absurd wie der freiwillige Verzicht auf Nahrung: Die ist in diesem Jahr, in dem Deutschlands erste Demokratie noch jung ist und ihr Präsident Friedrich Ebert heißt, schließlich alles andere als selbstverständlich. Vor nicht einmal zwei Jahren ging der Erste Weltkrieg zu Ende; nun tritt der Friedensvertrag von Versailles in Kraft, die einstigen Kriegsländer erwarten kräftige Reparationszahlungen. Im Vorjahr waren weit über sechs Millionen Menschen arbeitslos, nun verliert auch noch die deutsche Mark an Wert, und zwar rasant: 1922 wird sie es nur noch

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 1/2018.
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