Spätestens seit den Siebzigerjahren weinen Männer, auch Politiker, öffentlich: Clinton auf dem Roten Platz, Bush junior bei einer Rede über den Terror und Obama, als es um Waffengesetze ging. Kohl heulte ständig, unter anderem anlässlich der EU-Osterweiterung. Andere überkam die Rührung eher in selbstbezogenen Momenten: Putin weinte bei seiner Wiederwahl. Schröder bei seinem Zapfenstreich. Und Gauck schluchzte sowohl bei historischen Ereignissen als auch beim öffentlichen Vorlesen der eigenen Biografie. Die Tränen kullern immer öfter.

Die Frau in der Politik weint selten bis gar nicht. Von der "Eisernen Lady" Margaret Thatcher, Golda Meir oder Condoleezza Rice sind keine öffentlichen Tränen übermittelt. Das ergibt Sinn, denn während das Weinen bei Männern eine Art Zusatzqualifikation (emotionale Intelligenz, Empathie) jenseits der ohnehin angenommenen männlichen Stärken impliziert, tappt Frau damit in die Falle des Hysterischen.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 23/2018.
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