Portraitfotos deutscher Antisemiten, in der Mitte Otto Glagau
Goethe und Schiller Archiv Weimar
Portraitfotos deutscher Antisemiten, in der Mitte Otto Glagau

Judenhass nach dem Börsencrash 1873

Die Geburt des modernen Antisemitismus

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Der Börsenkrach von 1873 stürzte Deutschland in eine tiefe Krise. Als Schuldige machten Agitatoren "die Juden" aus. Das Gift des Antisemitismus fraß sich durch die Gesellschaft. Von Michael Graupner

Neunzig Prozent der Gründer und Börsianer sind Juden." Diese als Feststellung getarnte - unbelegte - Behauptung stammt aus der Feder von Otto Glagau, einem Berliner Journalisten. Er schrieb den Satz im Januar 1876 in der Vorrede seines Buches über den "Börsen- und Gründungs-Schwindel". Der Zusammenhang, den er damit suggerierte, war klar: Glagau gab den im Kaiserreich lebenden Juden die Schuld an dem angeblichen "Schwindel". Gründer, Börsianer, Juden - das war der Dreiklang, der eine neue Epoche des Judenhasses einleiten sollte.

Glagau war einer der ersten Publizisten, die im Kaiserreich antisemitisch agitierten. Er fand rasch Widerhall. Ressentiments gegen Juden waren im letzten Viertel des Jahrhunderts verbreitet: die gesellschaftlichen Umwälzungen durch die Industrialisierung, die Modernisierungsprozesse, die seit den 1830er-Jahren das Leben der meisten Menschen grundlegend verändert hatten, all das sorgte für Unsicherheit und Angst. "Den Juden" schob man die Verantwortung für die sozialen

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