Sokrates war schon zu Lebzeiten ein Star in Athen, aber man fand ihn auch seltsam. Vor allem lästerte der Athener Adel gern über seinen "spartanischen" Lebensstil. Während er unter Olivenbäumen herumlungerte und Passanten in Gespräche über das gute Leben verwickelte, trug er angeblich jeden Tag dasselbe schlichte Gewand. Er ging barfuß, ernährte sich einfach, und er fastete regelmäßig. Er sei ein Meister der Selbstbeherrschung gewesen, berichten seine Schüler. Viele junge Athener eiferten damals dem berühmten Philosophen nach. "Sie trugen langes Haar und turnten, hungerten und stolzierten mit Knotenstöcken umher", spottete etwa der Dichter Aristophanes über das, was er für eine Mode hielt.

Aber anders als Aristophanes vermutete, ging es Sokrates nicht um Verzicht oder Selbstkasteiung, sondern um die Kunst der "Sophrosyne" – ein Begriff, den man am besten mit "Besonnenheit" übersetzt. Gemeint ist eine Mischung aus Bedacht und Mäßigung. Ziel ist es, den richtigen Umgang mit dem eigenen Begehren

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Wissen-Ausgabe 1/2018.
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