Das Paar umarmte sich ein letztes Mal. "Denk an mich, und sprich ein paar Gebete", sagte er und gab ihr Geld und seine Papiere. Sie wollte, dass er 20 Francs behielt, doch er winkte ab: "Das brauche ich nicht mehr." Soldaten der 3. Grenadierkompanie des Deutschen Kaiserreichs trieben ihn und die anderen Gefangenen vor eine Gartenmauer. Ein deutscher Offizier verkündete in schlechtem Französisch, die Belgier hätten Widerstand geleistet und müssten dafür büßen. Ein Trompetenstoß erklang, dann feuerten die Soldaten. 109 Männer starben, alle Zivilisten.

Wie in Dinant rund hundert Kilometer südöstlich von Brüssel gebärdete sich das deutsche Heer im August 1914 vielerorts in Belgien. Kaiser Wilhelm II. hatte das neutrale Land überfallen, um bei einem Vorstoß auf Paris Festungsanlagen an Frankreichs Ostgrenze zu umgehen. Der Vormarsch hinterließ eine Spur der Zerstörung: niedergebrannte Ortschaften, verwüstete Städte, Leichenberge. Soldaten des Kaisers töteten mehr als 5000 Zivilisten, darunter

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