Vielleicht hatte der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer diese Bilder im Kopf: Jugendliche jagen drei Migranten durch die Nacht. Einer versucht, in einen Hausflur zu flüchten. Er tritt panisch eine Glasscheibe ein, ein Splitter schneidet die Beinarterie auf, der Mann verblutet.

Vielleicht also dachte Michael Kretschmer an 1999, an Guben in Brandenburg, als eine Hetzjagd von Rechtsextremisten mit dem Tod eines Verfolgten endete.

"Es gab keinen Mob, es gab keine Hetzjagd, es gab kein Pogrom in Chemnitz", sagte der CDU-Politiker Kretschmer, erstaunlich kategorisch, in einer Regierungserklärung am Mittwoch. Er kritisierte Medien, die "besonders weit weg waren" und deshalb "besonders pauschal, hart und oft falsch" über die Chemnitzer Proteste berichtet hätten, nachdem ein Deutschkubaner erstochen worden war und drei Asylbewerber verdächtigt werden. Er stellte sich gegen die Kanzlerin, ohne sie zu nennen, die von "Hetzjagden" gesprochen hatte, von "Zusammenrottungen". Der Ministerpräsident

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