Sie sollte unsichtbar sein, zum Schweigen verdammt, auf ewig. Niemand sollte von dieser Nacht erfahren, damals, 2009 in Las Vegas, und vor allem nicht von ihrer Version.

Sie hat einen Vertrag unterschrieben und Geld dafür bekommen, ihre Vorwürfe niemals laut auszusprechen.

Aus Angst um sich und ihre Familie, sagt sie, habe sie zugestimmt. Aus Ohnmacht, ihm nichts entgegensetzen zu können. Aus Hoffnung, mit allem abschließen zu können. Doch das sei ihr nie gelungen, sagt Kathryn Mayorga.

Die Amerikanerin ist eine schlanke Frau mit langen, dunklen Haaren und grünen Augen, 34 Jahre alt. Bis vor Kurzem hat sie an einer Grundschule gearbeitet. Den Job, sagt sie, habe sie aber aufgegeben, "weil ich jetzt all meine Kraft brauche".

Kraft, sich dem Mann entgegenzustellen, von dem sie behauptet, er habe sie vor neun Jahren vergewaltigt, was dieser bestreitet.

Der Mann ist nicht irgendwer. Der Mann ist Cristiano Ronaldo. Ein Fußballer der Superlative, wenn es um Erfolg, Geld und Beliebtheit bei den Fans geht.

Eine unbekannte Frau gegen Ronaldo – größer könnte die Asymmetrie nicht sein.

Sie waren sich am 12. Juni 2009 in einem Nachtklub in Las Vegas begegnet. Der Fußballer machte dort mit seinem Schwager und seinem Cousin Urlaub. Es war der Sommer, in dem der damals 24-Jährige von Manchester United zu Real Madrid wechselte, für die damalige Rekordsumme von 94 Millionen Euro.

Kathryn Mayorga, damals 25 Jahre alt, arbeitete in dieser Zeit viel als Model. Einer ihrer Jobs war es, sich mit anderen jungen, schönen Frauen vor Bars aufzuhalten, um Gäste anzuwerben.

An jenem Freitag im Juni kreuzen sich die Wege des Models und des Multimillionärs im VIP-Bereich des "Rain". Der Nachtklub gehört zum Palms Casino Resort. Paparazzi-Fotos zeigen, wie Kathryn Mayorga und Cristiano Ronaldo eng beieinanderstehen, sich unterhalten. Er trägt ein weißes Hemd mit schmaler, schwarzer Krawatte, sie ein hellgraues Kleid, Goldschmuck. Er gibt sich cool, sie strahlt ihn an. Nur Stunden später rätseln Boulevardmedien auf der ganzen Welt, wer die "mysteriöse Brünette" an seiner Seite ist.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 40/2018.
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