Von Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch, Nicola Naber, Jörg Schmitt, Christoph Winterbach, Michael Wulzinger

Cristiano Ronaldo liebt die große Show: Vorigen Sonntag landete er im Privatflieger in Turin, sieben Jeeps warteten auf ihn, Dutzende Fotografen hielten jeden seiner Schritte fest.

Die Fans schrien seinen Namen, baten um Fotos, Autogramme – ein Ausnahmezustand. Das Juve-Trikot mit dem Namen des fünfmaligen Champions-League-Siegers war nach kürzester Zeit ausverkauft. Es wirkt, als habe Turin nur auf den neuen Messias gewartet.

Für Ronaldo, 33, ist der Wechsel ein Befreiungsschlag. Er entzieht sich damit dem Land, das ihn in den vergangenen Monaten massiv unter Druck gesetzt hat. Mehr als anderthalb Jahre wehrte er sich gegen den Vorwurf, Steuern hinterzogen zu haben. Nachdem der SPIEGEL und das Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations im Dezember 2016 im Rahmen der Football-Leaks-Enthüllungen seine Steuerbetrügereien über Briefkastenfirmen und Offshore-Länder öffentlich gemacht hatten, hatte ihn die spanische Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung angeklagt.

Es ist ein spektakulärer Fall, der Ronaldo zum Gesicht eines flächendeckenden Betrugs machte. Durch die Football-Leaks-Veröffentlichungen wurde deutlich, dass es im europäischen Spitzenfußball eine Art Wettbewerb beim Verstecken von Werbeeinnahmen und Beraterprovisionen gibt. Je komplizierter die Konstrukte, um das Geld auf Konten in Übersee verschwinden zu lassen, desto mehr Nettoertrag erhalten die Spieler. Und Netto hat im Profifußball offenbar eine ähnlich hohe Bedeutung wie ein Champions-League-Titel.

Die Steueraffäre Ronaldo ist auch deshalb so brisant, weil sich hinter dem Stürmer eine Riege an Beratern schart, die seine geheimen Geldflüsse konzipiert hat. Und die für ihn am Ende nahezu alle Probleme aus der Welt räumt. 

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 32/2018.
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