Isabel Schnabel ist Professorin für Finanzmarktökonomie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ("Wirtschaftsweise"). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Bankenregulierung und systemische Finanzkrisen.    

SPIEGEL: Derzeit wird viel über eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank diskutiert. Halten Sie einen solchen Schritt für eine gute Idee?

Schnabel: Das ist zunächst einmal eine betriebswirtschaftliche Entscheidung und es lässt sich von außen schlecht beurteilen, wie groß die Kostenersparnisse bei so einer Fusion wären. Man kann natürlich Filialen schließen und spart dadurch Geld. Aber so ein Fusionsprozess ist auch sehr teuer und langwierig. Das wissen wir aus früheren Beispielen. Auf kurze und mittlere Sicht ist das meist eine sehr große Belastung.

SPIEGEL: Was würde die Fusion denn bringen?

Schnabel: Der Nutzen ist ungewiss. Natürlich kann man an einigen Stellen Kosten sparen, aber es ist nicht gesagt, dass das Problem der geringen Profitabilität der beiden Banken damit gelöst ist. Und gleichzeitig stehen diesem Nutzen hohe gesamtgesellschaftliche Kosten entgegen, die in gleicher Weise berücksichtigt werden müssten.

SPIEGEL: Welche meinen Sie?

Schnabel: Das Problem des "too big to fail" würde sich weiter verschärfen. Aus zwei bereits großen Banken entstünde eine noch größere Bank, die zu groß wäre, um sie im Falle einer Schieflage pleitegehen zu lassen. Das gefährdet die systemische Stabilität. Dieses Problem hatten wir schon während der Finanzkrise. Und es wäre umso gravierender, wenn eine solche Fusion auch noch politisch unterstützt würde.

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