Zur chronischen Kritik am Sozialstaat deutscher Ausprägung zählt die Klage, dass er seine Mittel nicht zielgenau einsetzt. Milliarden würden verplempert, weil Menschen staatliche Unterstützung bekommen, die sie in Wirklichkeit nicht brauchen. Statt das Geld auf Hilfsbedürftige zu konzentrieren, streue die Politik ihr Wohlwollen gleichsam mit der Gießkanne unters Wahlvolk.

Die Zahlen scheinen den Sozialstaatskritikern zunächst recht zu geben. Fast ein Drittel seiner Jahreswirtschaftsleistung, im Ökonomenjargon Bruttoinlandsprodukt genannt, wendet Deutschland ausweislich amtlicher Statistiken für Soziales auf, also für Renten, Gesundheitsfürsorge oder Bafög. Insgesamt rund eine Billion Euro. Im Bundeshaushalt ist der Etat des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales mit Abstand der größte Posten. Verstreut über alle Ressorts gibt allein die Bundesregierung Jahr für Jahr die Hälfte ihres Geldes von 350 Milliarden Euro für Soziales aus. Für manchen stellt sich nicht zu Unrecht die Frage, wo

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 37/2018.
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