Das Delphi-Kino in Berlin ist an diesem Abend im Mai bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf der großen Leinwand wird ein einziges Mal der Fernsehfilm "Unterwerfung" öffentlich aufgeführt. Als der Schauspieler Edgar Selge nachher auf die Bühne gebeten wird, schallt ihm stürmischer Applaus entgegen.

Selge kennt das schon. Nach jeder Vorstellung des gleichnamigen Theaterstücks am Hamburger Schauspielhaus ist es das Gleiche: Die Zuschauer jubeln und trampeln. Selge trägt an diesem Abend eine karierte Hose, ein Jackett, und wie er da oben auf der Bühne steht, könnte er auch François sein, der französische Hochschullehrer aus Houellebecqs Roman.

Die Grenzen zwischen Rolle und Schauspieler sind unscharf. Dazu trägt der Eindruck bei, den der Fernsehfilm ("Unterwerfung", am 6. Juni in der ARD) hinterlässt. Selge begegnet einem darin auf drei Handlungsebenen: als Edgar Selge, der auf dem Weg ins Theater ist und sich auf seinen Auftritt vorbereitet, als Schauspieler, der sich in François verwandelt,

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 23/2018.
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