Um über die vielen Menschen hinwegzukommen, die sterben, deren Leichen vermodern, unentdeckt, in Brunnen, in Massengräbern, verscharrt unter Feldern, sammelt er. Er sammelt Schlümpfe, Modellschiffe, Spielzeughelikopter, Dinosaurierfiguren, Münzen.

Je mehr Tote Johnny Flores sieht, desto mehr muss er anhäufen, in seinem garagengroßen Haus in den Ausläufern San Salvadors, der Hauptstadt El Salvadors.

Der 51-Jährige läuft in Unterwäsche zwischen den Stapeln und Anrichten voller Nippes umher. Ein gedrungener Mann, kräftig, das Haar schütter. Die Wände sind tapeziert mit Urkunden von religiösen Seminaren, Schulungen und Auszeichnungen, die alle seinen Namen tragen, als müsse er sich täglich daran erinnern, wer er ist, damit er nicht zerfällt in diesem Land, das seine Moral verloren hat.

Er nimmt eine Bibel vom Bett. Schlägt sie auf. Neues Testament, Brief des Paulus an die Römer, achtes Kapitel. Darüber wird er heute reden, denkt er sich. Über die Rettung der Glaubenden. Dann holt er seine Beretta

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 48/2018.
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