Wie die Bundesinformationsstelle am Freitag mitteilte, feiern die Bundestagsabgeordneten der Partei in den Sitzungswochen jeden Dienstagabend eine Champagnerparty, die den Steuerzahler jedes Mal mehr als 8000 Euro kostet. Zudem bestellte die AfD-Fraktion bei der Materialstelle des Bundestags allein zwischen Januar und August dieses Jahres 788 Füllfederhalter der Marke Montblanc, was einem Schnitt von mehr als acht Montblancs pro Abgeordneten entspricht.

Ein prominentes Mitglied der Fraktion ließ sich im selben Zeitraum zweimal pro Woche von der Fahrbereitschaft des Bundestags in ein Bordell chauffieren und reichte die Rechnungen mit den Einzelposten "Rosi" und "Rosé" später sogar als Bewirtungsbeleg bei der Bundestagsverwaltung ein. Derweil sind die Gelder aus dem lange verschollen geglaubten Schattenhaushalt des "Dritten Reiches", den sogenannten braunen Kassen, über argentinische Mittelsmänner auf das Konto der Bundes-AfD geflossen. Es handelt sich um rund 19,3 Milliarden Reichsmark. Und nun zur Wahrheit: Keine dieser Informationen stimmt. Hoffe ich zumindest. Ich habe sie mir ausgedacht. Sie haben somit denselben Wahrheitsgehalt wie jene "Nachrichten", die AfD-Mitglieder und ihre Sympathisanten gern in den sozialen Netzwerken teilen, um Ressentiments zu schüren. 

Es handelt sich um Lügen und Verschwörungstheorien, die zwar das eigene Weltbild stärken, aber jeglicher Grundlage entbehren. Zu den Klassikern gehört die Meldung, wonach Flüchtlinge 700 Euro Weihnachtsgeld von der Bundesregierung erhalten. Oder die frei erfundene Forderung von Grünenpolitikerin Claudia Roth nach einem generellen Alkoholverbot im Ramadan, aus Rücksicht auf muslimische Mitbürger. Sie stehen auf vermeintlichen "News-Seiten" wie Nachrichten.de.com und beginnen gern mit der Formulierung "Wie das Bundeskanzleramt am Freitag mitteilte ..."

Und egal wie oft solche Meldungen später widerlegt werden: Irgendetwas bleibt wohl immer hängen.

Die ersten beiden Absätze dieses Textes stehen übrigens unter strenger Beobachtung der 70 Kollegen aus der SPIEGEL-Dokumentation. Deren Aufgabe ist es normalerweise, alles aus Texten zu streichen, was falsch ist. Selbst dann, wenn das Gestrichene in ihr Weltbild passen würde.

Schicken Sie uns Ihr Feedback zu diesem Beitrag.
Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 42/2018.
Hinweis

SPIEGEL+ kann in Ihrer App leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle App-Version oder wechseln Sie auf die mobile Website m.spiegel.de, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann in Ihrem Browser leider nicht dargestellt werden. Bitte installieren Sie die aktuelle Version Ihres Browsers oder wechseln Sie zu einem anderen aktuellen Browser, um SPIEGEL+ lesen zu können. Vielen Dank!

SPIEGEL+ kann auf Ihrem Gerät leider nicht angezeigt werden. Bitte aktualisieren Sie, wenn möglich, Ihr Betriebssystem. Vielen Dank!