Geisenhausen ist ein Dorf in Niederbayern, ein tiefschwarzes Nest. Hier setzte sich der Rentner Karl Meyer vergangenen Sonntag mit Wut im Bauch in den Zug nach München. "Kruzifix" hatte er auf das Protestschild in seiner Hand gepinselt. Unter den bayerischen Fluch hatte er ein Boot gezeichnet, auf dem "Christlich Soziale Unmenschlichkeit" stand und an dessen Rand sich Strichmännchen klammerten.

Meyer, 67 Jahre alt, gelernter Heizungsbauer, wollte in der Landeshauptstadt demonstrieren: gegen "den Nationalismus, der so viel Unheil in die Welt gebracht hat", und gegen die Volksvertreter der CSU, von denen er sich nicht mehr vertreten fühlt. "Ich stehe für ein anderes Land", sagt Meyer. Sein Dialekt verrate ihn zwar als Einwohner des Freistaats, aber derzeit versuche er, seine Herkunft zu verschweigen. "Ich schäme mich als Bayer", sagt er.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 31/2018.
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