Es war ein langer Sommer für Karam Shahin. Er hatte über drei Monate Ferien. Die Schule endete ein paar Tage früher in diesem Jahr, Mitte Mai, wegen des 70. Jahrestags der Nakba, des Tages der Vertreibung des palästinensischen Volkes, und wegen der Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem. So hundertprozentig verstand Karam nicht, was das alles mit ihm zu tun hatte. Er ist sieben Jahre alt. Er war auf ein paar Demonstrationen am Grenzzaun zu Israel, die an jedem Freitag stattfinden. Sie nennen es: Marsch der Rückkehr. Sein Vater hat ihm eine palästinensische Fahne gegeben, die hat er getragen. Er hat den Rauch gesehen und die Schüsse gehört. Er hat mit der Fahne gewinkt. Er lacht, wenn er das erzählt.

Weiter vorn, näher am Zaun, sind jede Menge Menschen gestorben.

Als die Toten begraben waren, ging Karam ins Sommercamp. Im Meer badeten sie nicht, weil dort die Abwässer Gazas ungefiltert hineinfließen. Man bekommt Ausschläge und Atemnot. Schwer zu sagen, ob man die Krabben essen

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