Christina Clemm ist Fachanwältin für Strafrecht und arbeitet in einer Kanzlei in Berlin. Sie engagiert sich für Frauenrechte und vertritt seit mehr als 20 Jahren Kinder und Frauen, die von sexueller und häuslicher Gewalt betroffen sind.

SPIEGEL ONLINE: Frau Clemm, wie erleben Sie Prozesse zu häuslicher Gewalt?

Clemm: Die Gerichte urteilen oft milder als in sonstigen Fällen. Ein Beispiel: Eine Mandantin von mir ist von ihrem Mann fast totgeschlagen worden. Sie hatte mehrere Brüche am Kopf, musste unzählige Operationen ertragen und lag auf der Intensivstation. Man wird immer ihre Narben sehen und es war nicht die erste Körperverletzung zu ihrem Nachteil. Der Mann hat eine geringe Freiheitsstrafe bekommen. Hätte er einen Fremden so zugerichtet, wäre die Strafe sicher deutlich höher ausgefallen.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommen Sie darauf?

Clemm: In dem Fall wertete das Gericht als strafmildernd, der Mann habe wegen der Tat seine Familie verloren, die Frau habe sich getrennt und er könne wegen der Freiheitsstrafe sein Kind nicht mehr sehen. Diese Begründung ist doch absurd. Da muss unter Juristen noch ein großes Umdenken stattfinden.

SPIEGEL ONLINE: Plädieren Sie für härtere Strafen?

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