Welches Ausmaß Nahrungsknappheit im Mittelalter erreichen konnte, ist selten so drastisch dargestellt worden wie von dem Historiker Rodulfus Glaber (um 980 bis um 1046).

Nach ruhelosem Leben schrieb der Mönch des Klosters Saint-Germain im burgundischen Auxerre eine Geschichte seiner Zeit. Die Jahre vor 1033 – ein Jahrtausend nach der Kreuzigung Christi – stilisierte er zur endzeitlichen Prüfung.

Um diese Zeit nämlich, erzählt Rodulfus, "begann eine Hungersnot die ganze Erde heimzusuchen, sodass fast die gesamte Menschheit mit dem Tode bedroht war. Das Klima war dermaßen durcheinandergeraten, dass keine Jahreszeit sich für die Aussaat irgendeines Getreides eignete, ebenso wenig für die Ernte, vor allem wegen der Überschwemmungen. Es schien, als führten die Elemente untereinander Krieg; jedenfalls rächten sie sich am Übermut der Menschen.

Durch andauernden Regen war der Erdboden so feucht, dass man drei Jahre lang keine Furche zur Saat ziehen konnte. Zur Erntezeit überwucherten Unkraut und der

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL Geschichte-Ausgabe 1/2019.
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