An einem Donnerstagmorgen Anfang Juli, nach Wochen, in denen fast 700 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken sind, betritt ein Mann, der gerade das Leben von 234 Menschen gerettet hat, das Gericht der maltesischen Hafenstadt Valletta, um sich dafür zu verantworten. Der Mann, sein Name ist Claus-Peter Reisch, 57 Jahre alt, blondes Haar, runder Bauch, trägt einen Anzug und Plastikschuhe, die er sich extra für diesen Tag gekauft hat. Er betritt den Saal 24 im dritten Stock, einen kleinen Raum mit drei Holzbänken. Auf dem Richterpult, bezogen mit grünem Leder, steht ein Kruzifix.

Es ist 11.30 Uhr, draußen brennt die Sonne, die Stadt ist von Touristen bevölkert. Claus-Peter Reisch nimmt Platz auf der vordersten Bank links, neben ihn setzt sich eine Dolmetscherin. Dem deutschen Kapitän wird vorgeworfen, mit einem falsch registrierten Schiff im maltesischen Küstenmeer gefahren zu sein. Sein Schiff, es trägt den Namen "Lifeline", gehört einem deutschen Verein, aber es fuhr unter niederländischer Flagge.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 28/2018.
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