Ihre Statur ist immer noch beeindruckend. Breitschultrig und hochgewachsen, in dunkelblauem Hosenanzug, dazu lacklederne Pumps mit zentimeterhohen Absätzen. Auch Marine Le Pens Stimme ist noch dieselbe, tief und dröhnend, man hört sie schon, bevor man sie sieht. Zur Begrüßung reicht sie kurz die Hand, flüchtig fast. Grau lackierte Nägel fahren durch die Luft. Sie setzt sich gegenüber an ihren Schreibtisch, den Oberkörper aufrecht, ihr Blick, wie immer am Anfang eines Gesprächs, ist misstrauisch.

Journalisten gehören zu Le Pens natürlichen Feinden, daran hat sich nichts geändert. Sie sind Vertreter des Systems, gegen das sie so lange schon kämpft. Das, so glaubt sie, schuld ist an ihrer Niederlage. Daran, dass sie von vorn anfangen muss. Denn seit sie vor einem Jahr die Präsidentschaftswahlen verloren hat, kämpft sie nicht nur gegen diesen Wunderknaben, der jetzt Präsident ist, sondern auch gegen ihre eigene Halbwertszeit, gegen ihr Verschwinden.

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 29/2018.
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