Wenn sie dann wieder alle abgereist sind, die Reporter und Kamerateams, die in den letzten Tagen nach Chemnitz fuhren, um Nazis zu suchen, Flüchtlinge, Hass und Gewalt und Abscheu und Verlierer, Helden und Idioten, dann wird wieder alles sein wie zuvor. Wut wächst langsam. Und Unverständnis. Und Angst. Vom Medienplaneten aus schaut man ja meist nur für kurze Zeit auf einen Brandherd. Bald schon brennt es anderswo.

Die Literatur bleibt. Literatur ist langsam, achtsam, sie findet, ohne zu suchen, umkreist die Welt mit Buchstaben und Zeichen. Sie sieht lange hin, hört lange zu, riecht, schmeckt, wundert sich. Dieser Roman hier zum Beispiel. Er heißt "Mit der Faust in die Welt schlagen", und der Titel passt eigentlich nur so halb zu diesem leisen Buch. Es handelt eher vom Schweigen und Verschweigen und dann erst vom Wachsen des Zorns, und wenn der Ullstein-Verlag es in seinen Ankündigungen "das Buch zur Stunde" nennt, dann ist es einerseits völlig richtig und wahr. Andererseits ganz falsch,

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 37/2018.
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