Neulich hat mich eine sehr Moskau-typische Melancholie überkommen. Es lag an der Nachricht, dass die sogenannte „Rjumotschnaja“ auf der Großen Nikitskaja-Straße schließt. Die alte gemütliche Kneipe, gleich gegenüber vom Konservatorium, war eine stadtbekannte Institution. Von der Straße ging es ein paar Stufen herunter in einen dunklen Gastraum mit wenigen Tischen und holzgetäfelten Wänden. Bestellt wurde am Tresen, auf dem solide russische Kost wartete – Hering mit Zwiebeln und Salzkartoffeln, Rote Beete an Majonaise, marinierte Pilze, Fleischklößchen.

Das Ganze hatte etwas herrlich Altertümliches. Das fing schon bei der Bezeichnung an: „Rjumotschnaja“ kommt von „Rjumotschka“, dem Wodka-Gläschen. Eine „Rjumotschnaja“ ist also ein Ort, wo starke Getränke ausgeschenkt werden, und das fetthaltige Essen hat vor allem die Funktion, die Wirkung des Wodkas abzufedern. Das Wort hat sowjetische Patina, heute würde man einfach von einer Bar sprechen. Auch die Schaufenster sahen aus, als wäre die

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