Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 4/2018

Bergman ist Chefkorrespondent für Militär- und Geheimdienstthemen bei der israelischen Tageszeitung "Yedioth Ahronoth". Er studierte Jura, arbeitete für den israelischen Generalstaatsanwalt und promovierte in Geschichte an der Universität Cambridge mit einer Arbeit über den Mossad.
JÖRG MÜLLER / DER SPIEGEL

Bergman ist Chefkorrespondent für Militär- und Geheimdienstthemen bei der israelischen Tageszeitung "Yedioth Ahronoth". Er studierte Jura, arbeitete für den israelischen Generalstaatsanwalt und promovierte in Geschichte an der Universität Cambridge mit einer Arbeit über den Mossad.

SPIEGEL: Herr Bergman, in Ihrem Buch über die israelischen Geheimdienste beschreiben Sie deren gezielte Tötungsaktionen über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren. Wie viele Menschen wurden umgebracht?

Bergman: Alles in allem reden wir über mindestens 3000, darunter nicht nur die Zielpersonen, sondern auch viele Unschuldige, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Allein während der zweiten Intifada gab es Tage, an denen in der Befehlszentrale vier bis fünf "gezielte Tötungen" angeordnet wurden, in der Regel gegen Hamas-Aktivisten.

SPIEGEL: Wie kam Israel dazu, politische Konflikte auf diese blutige und rechtlich umstrittene Weise lösen zu wollen?

Bergman: Einige der frühen Zionisten waren desillusionierte Revolutionäre aus Russland. Sie hatten das Konzept der politischen Morde aus ihrer Heimat mitgebracht und gründeten 1907 die erste bewaffnete zionistische Einheit in Jaffa. Ein anderes Motiv war natürlich der Holocaust. Die Lehre daraus war, dass wir ein eigenes Land als Schutzraum für Juden brauchen und dieses Land gegen zahlreiche Feinde verteidigen müssen – mit allen Mitteln. Und jeder dieser Feinde wurde mit Hitler gleichgesetzt: Nasser, Arafat, Saddam Hussein, Ahmadinejad. Gegen solche Leute galt es als legitim, sich über alle internationalen Normen und Gesetze zu stellen. Das ist die Geisteshaltung, bis heute.

SPIEGEL: Warum aber diese Fokussierung auf gezielte Tötungen?

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 4/2018.
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