In eigener Sache

Dieser Text des ehemaligen SPIEGEL-Redakteurs Claas Relotius hat sich nach einer Überprüfung in wesentlichen Punkten als gefälscht herausgestellt. Darüber hinaus steht die gesamte Berichterstattung von Relotius im Verdacht weitgehender Fälschungen und Manipulationen (mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier). Der SPIEGEL arbeitet den Fall Relotius derzeit auf; Verlag und Redaktion haben eine Kommission aus internen und externen Fachleuten eingesetzt: Sie soll die Vorgänge untersuchen und Vorschläge zur Verbesserung der Sicherungssysteme im Haus machen (mehr dazu hier). Bis die Kommission ihren Bericht vorlegt, bleiben die Artikel von Relotius unverändert im Archiv, auch um transparente Nachforschungen zu ermöglichen.

Hinweise bitte an hinweise@spiegel.de.

In Daraa, einer syrischen Stadt an der Grenze zu Jordanien, 3000 Kilometer Luftlinie von Deutschland entfernt, schaltet ein junger Mann, sein Name ist Mouawiya Syasneh, die Kamera seines Mobiltelefons ein, damit man ihn am anderen Ende der Verbindung sehen kann, er hebt seine rechte Hand, er winkt und fragt: "Könnt ihr mich sehen?"

Das Kamerabild rauscht und wackelt im Rhythmus seiner Schritte, man kann ihn trotzdem gut erkennen. Er bewegt sich durch eine Landschaft aus Ruinen, von der Sonne grell beschienen, kein Mensch ist zu erkennen außer ihm. Es ist ganz still, nur Vögel singen, ein Morgen im April, der 2601. Tag im Krieg. Im Norden Daraas rücken Truppen mit Raketenwerfern von Baschar al-Assad näher, im Osten sprengen sich Selbstmordattentäter des "Islamischen Staates" in die Luft, im Westen versperren Panzer die letzten Auswege zur Flucht, und Mouawiya Syasneh, vor 20 Jahren geboren im Süden Daraas und nun gefangen in den Mauern der Stadt, sagt in die Kamera: "Jalla, kommt mit. Ich zeige euch, wo alles begonnen hat."

Er hält sein Handy in die Luft und läuft, geduckt, weil ihn Kugeln treffen könnten von überallher, durch verlassene Wohnviertel, er filmt die letzten Straßen, die Assads Truppen noch von ihm und den letzten Rebellen trennen, er zeigt die Häuserschluchten links, wo sie die Bomben des Regimes erwarten, und die ausgehobenen Erdlöcher rechts, wo sie ihre Toten begraben, Frauen und Kinder zuerst. Nach ein paar Hundert Schritten hockt sich Mouawiya in den Staub vor einer alten, halb zerstörten Mauer.

Es war diese Mauer, sagt Mouawiya, auf die er vor sieben Jahren arabische Buchstaben gesprüht hat. Sie sind nicht mehr zu erkennen. Wo sie einst standen, sind heute nur noch Einschusslöcher. Die Buchstaben, schon vor langer Zeit weggesprengt von den Kugeln irgendwelcher Waffen, ergaben den Satz: "Du bist als Nächster dran, Doktor!"

Mouawiya hockt neben der Mauer, man hört ihn atmen, er sagt: "Bei Gott, ich hätte das nie schreiben dürfen."

Der Doktor, dem Mouawiya damals drohte, war Baschar al-Assad. Es waren nur Worte, flüchtig hingesprühte Zeichen, der Streich eines Kindes. Aber es gab damals Menschen, Tausende, in Daraa und überall im Land, die schworen, diese Worte machten ihn, Mouawiya Syasneh, zur Legende, zu Syriens Befreier. Und es gibt heute, immer noch, Tausende, die sagen, er allein, Mouawiya Syasneh, habe mit diesem Graffito den Krieg entfacht, er sei verantwortlich für all die Massaker und Bomben, für 14 Millionen Vertriebene, für 500.000 Tote.

Mouawiya, ein junger Mann mit breiten Schultern und einem weichen Gesicht, aus dem Barthaare wachsen, kann den Blick in die Kamera nicht halten. Er dreht sich weg, sieht zu den Ruinen hinter sich und sagt mit leiser Stimme: "Ich war 13 Jahre alt. Ich habe mir nichts dabei gedacht."

Es ist heute nicht mehr mit Gewissheit zu sagen, welche Rolle das Graffito für die Geschichte dieses Krieges gespielt hat. Sicher ist, dass Mouawiya Syasneh, der in diesem Krieg zu einem Erwachsenen wurde, damit leben muss, dass es eine Rolle gespielt haben könnte. Sicher ist, dass er seit sieben Jahren, seitdem aus einer Revolution beinahe ein Weltkrieg wurde, um Sühne kämpft und um sein Überleben. Er kämpft jetzt auch, als einer der wenigen Übriggebliebenen, gegen den Fall seiner Heimatstadt Daraa, von der mutmaßlich alles ausgegangen ist und in der Assad nun, als Zeichen an das ganze Land, den letzten Widerstand endgültig brechen will.

Legende Syasneh bei WhatsApp-Anruf: "Jeder Bäcker und jeder Bauer wollte Assad beleidigen"

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Als Journalist kommt man nicht mehr nach Daraa hinein, man kann Mouawiya nicht mehr persönlich treffen. Aber man kann an die Grenze zu Syrien fahren, man kann von der Wüste Jordaniens aus, nur fünf Kilometer entfernt von der Front, die zerstörten Häuser Daraas sehen. Und man kann mit Mouawiya über Wochen hinweg per WhatsApp telefonieren, mit und ohne Kamera. Man kann ihn, wie durch ein Schlüsselloch, durch die letzten Tage dieses Krieges begleiten und versuchen, seine Lebensgeschichte zu rekonstruieren, die eng vernäht ist mit der Geschichte Syriens.

Er hat sein Handy Tag und Nacht eingeschaltet. Er schläft jetzt, da einschlagende Mörsergranaten den Sturm auf die Stadt ankündigen, fast nie. Nicht alles, was er sagt, lässt sich verlässlich überprüfen. Aber man kann das, was er über sein Graffito und den Ausbruch der Gewalt erzählt, mit dem vergleichen, was andere darüber berichten, die längst aus Daraa geflüchtet sind und heute in Jordanien oder Europa leben. Es deckt sich mit geheimen Dokumenten des syrischen Militärs, mit Berichten der Vereinten Nationen und mit dem, was Forscher über die Entstehung des Krieges wissen.

Mouawiya hält sein Handy vor sein Gesicht wie ein Tourist, der sich selbst fotografiert, er hockt im Schatten eines Orangenbaumes, ein paar Meter neben der Mauer, auf die er einst das Graffito gesprüht hatte. Er trägt keine Uniform, nur ein weißes T-Shirt und über der Schulter eine Kalaschnikow. Er sagt, er schaltet die Kamera jetzt aus. Vielleicht will er die Verbindung entlasten, damit man ihn besser hören kann. Vielleicht möchte er beim Sprechen nicht beobachtet werden. Er redet langsam, meist auf Arabisch, durchsetzt mit ein paar Worten Englisch.

​"Ich ging gerade erst in die siebte Klasse. Ich war gut in der Schule. Ich wollte, wenn ich groß bin, Wirtschaft studieren, als Erster in meiner Familie. Ich interessierte mich nicht für Waffen. Ich wusste nicht, wie man Panzer sprengt oder auf Menschen schießt. Ich kannte den Krieg nur aus dem Koran oder aus Märchen."​

Es ist das Jahr 2011, Mouawiya ist fast noch ein Kind. Bilder, die er aus dieser Zeit schickt, zeigen ihn als schmächtigen Jungen, der auf den Straßen Daraas Fußball spielt. Er trägt fast immer ein Ronaldo-Trikot. Er wohnt mit seinen Eltern, Weizenbauern, und zwei älteren Brüdern in Daraa, am südwestlichen Rand Syriens, wo seit Monaten kaum Regen fällt. Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten lässt die Bewohner verarmen, während die Regierung, die über Saatgut und Steuern bestimmt, sich bereichert.

Als in Syrien der Winter endet, zieht im Norden Afrikas der Arabische Frühling auf. Jeden Abend, wenn in ihrem Wohnzimmer der Fernseher läuft, erzählt Mouawiya, sehen er und seine Brüder, wie in nahen Ländern Hunderttausende auf die Straßen ziehen, gegen Korruption und Unterdrückung protestieren. Auch auf syrischen Facebook-Seiten, die Mouawiya und seine Brüder illegal nutzen, kursieren Hashtags gegen die Regierung. Auch in Syrien fordern Studenten, die Präsidentenfamilie, die schon seit 40 Jahren herrscht, zu stürzen. Auch Mouawiya hört seinen Vater heimlich auf Baschar al-Assad und dessen Vetternwirtschaft schimpfen. Aber auf den Straßen von Damaskus und Aleppo protestiert fast niemand, noch nicht.

Es ist der 16. Februar 2011, einen Monat nachdem Tunesiens Herrscher Ben Ali aus seinem Palast geflohen ist, drei Tage nachdem das Militär in Ägypten das Kriegsrecht verhängt hat, nur einen Tag bevor Aufständische in Gaddafis Libyen den "Tag des Zorns" ausrufen werden, und Mouawiya Syasneh, so erzählt er in sein Handy, ist langweilig.

"Ich kam mit ein paar Freunden vom Fußballtraining. Wir liefen durch unser Viertel, kamen vorbei an unserer Schule. Wir hatten eine Spraydose dabei, wie immer. Es war der erste warme Abend, es war schon lange dunkel. Auf einmal hatte einer von uns die Idee, etwas auf die Schulmauer zu schreiben, etwas streng Verbotenes."

Es war wie eine Mutprobe, sagt Mouawiya: Wer würde es wagen, Assad, den lispelnden Präsidenten, der nicht wie die anderen Diktatoren aussieht, sondern eher wie ein Filialleiter, öffentlich zu verspotten?

"Ich war der Kleinste von allen, ich wollte vor den anderen mutig sein."

Mouawiya steht damals vor jener Mauer, neben der er heute mit seinem Handy sitzt und mit schnellen Sätzen davon erzählt. Er macht sich keine Gedanken darüber, dass das jetzt Folgen haben könnte. Womöglich ist es der kleine Moment, den große Geschichte manchmal braucht.

"Ich nahm die Spraydose, ich habe wirklich an nichts gedacht. Ich schrieb in roter Farbe: "Du bist als Nächster dran, Doktor!"

Gefolterter Junge Syasneh 2011
Gefolterter Junge Syasneh 2011

Der Satz, den er schreibt, klingt wie eine Drohung, aber er ist, noch schlimmer, eine Verhöhnung. Baschar al-Assad hat in London studiert und war eigentlich nicht vorgesehen, über Syrien zu herrschen. Wäre sein älterer Bruder Basil nicht vor Jahren bei einem Autounfall gestorben, er selbst wäre kein Autokrat, vielleicht nur Augenarzt geworden.

Mouawiya erzählt, er schläft an jenem Abend ruhig ein. Um vier Uhr in der Nacht stehen fremde Männer an seinem Bett, Polizisten aus Latakia, der Heimat der Assad-Familie.

"Ich dachte, es wäre ein Albtraum, ich wollte aufwachen, aber sie standen wirklich in meinem Zimmer. Sie trugen graue Uniformen und schwarze Mützen. Ich erkannte sofort, sie sind vom Muchabarat, dem syrischen Geheimdienst. Ich hatte Angst, ich habe versprochen, das Graffito wieder abzuwaschen. Sie zerrten mich aus unserem Haus, mitten auf die Straße. Dann schlugen sie mit Gewehrkolben auf meinen Kopf. Unsere Nachbarn sahen zu, meine Eltern und meine Brüder schrien, aber sie konnten mir nicht helfen. Ein Mann zog mein T-Shirt hoch, zwei andere peitschten mich mit Stromkabeln aus. Irgendwann habe ich nichts mehr gefühlt. Ich war wie tot."

Als Mouawiya erwacht, liegt er nackt in einem Kerker außerhalb der Stadt, in einem unterirdischen Gefängnis. Seine Zelle ist ein Hundezwinger, am Gitter hängt ein Schild: "Die hier eintreten sind vermisst. Die hinausgehen sind wie neugeboren."

"Alles war nass und dunkel. Ich sah vier Wochen lang kein Tageslicht. Sie hängten mich jeden Tag an Viehhaken auf, an nur einer Hand. Sie lachten laut, als wäre es ein Spiel. Sie nannten es 'Die lange Hand'. Sie steckten mich in Autoreifen und gaben mir Elektroschocks. Sie wetteten, dass ich nach meiner Mutter riefe. Ich konnte kaum schlafen, ich dachte, sie holen mich wieder. Ich hörte ständig andere Jungen schreien."

Mouawiya weiß damals nicht, dass Männer in den Zellen nebenan auch seine Mitschüler quälen, alle 22 Jungen seiner Klasse. Auch sie sind verschleppt worden, auch sie werden jede Nacht gefoltert.

Ihre Eltern, so erzählen es die Menschen in Daraa bis heute, flehen, ihre Jungen freizulassen, ihre Väter belagern das Quartier der Geheimpolizei.

Am 18. März 2011, einen Monat nachdem die Schüler verschwunden sind, rufen die ältesten Prediger Daraas zum Protest. Es gibt Videoaufnahmen, die zeigen, wie ein paar Hundert Menschen vor das Rathaus ziehen, als Sicherheitskräfte plötzlich, aus Helikoptern in der Luft, mit Gewehren auf sie schießen. Die Demonstranten rennen auseinander, aber einige von ihnen fallen zu Boden. Nur Stunden später erscheinen Bilder ihrer Leichen auf Twitter. Noch am selben Abend meldet ein Nachrichtensender aus Damaskus vier Tote in Daraa. Nur zwei Abende darauf, nach 33 Tagen in Gefangenschaft, werden Mouawiya und die anderen Jungen freigelassen.

Vielleicht fürchtet die Regierung noch größere Proteste. Vielleicht ordnet Baschar al-Assad die Freilassung persönlich an. Aber als die Eltern ihre Jungen zurückbekommen, erkennen sie ihre eigenen Kinder kaum. Mouawiyas Körper ist blutig geprügelt, seine Haut übersät mit Brandmalen und Schnittwunden, ihm fehlen alle Fingernägel.

"Meine Mutter weinte. Mein Vater fotografierte mich mit seinem Handy. Er wollte, dass alle sehen, was sie mit mir gemacht haben."

Mouawiya hat das Foto auf seinem Handy gespeichert, er schickt es heute, gut sieben Jahre später, per WhatsApp. Es zeigt einen erschöpften Jungen mit aufgeplatztem Gesicht. Dieses Foto, auf Bettlaken und Flugblätter gedruckt, hängt damals bald überall in der Stadt, wie bis dahin nur Präsidentenposter von Assad. Die Bewohner Daraas tragen es durch die Straßen, sie skandieren "Mouawiya huwa al-Salam!", Mouawiya heißt Frieden!

Demonstranten in Daraa 2011
Demonstranten in Daraa 2011

Als seine Eltern ihn aus dem Krankenhaus nach Hause bringen, jubeln ihm Tausende Menschen zu.

"Es war eine Stimmung wie bei einer Hochzeit. Fremde Frauen warfen Rosen für mich. Erwachsene Männer, die ich gar nicht kannte, klopften mir auf die Schulter. Sie nannten mich einen Märtyrer. Die Leute dachten, ich hätte Assad, vor dem jeder Angst hatte, absichtlich provoziert."

Zuerst, sagt Mouawiya heute, habe ihm das gefallen. Zunächst habe er, ein Siebtklässer, dessen Namen sie nun überall in Syrien rufen sollten, sich geehrt gefühlt. Es gab Zeitungen in Damaskus, die bezeichneten ihn als "Ikone der Freiheit". Es gab den Fernsehsender Al Jazeera, der nannte ihn den "schlimmsten Albtraum der Regierung". Es gab auch Nachrichtensprecher auf CNN, die behaupteten, er habe sein Leben riskiert, um Assad zu entlarven.

Mouawiya, am Handy, sagt: "Die Wahrheit ist: Ich wollte das nie. Aber dann, als ich es getan hatte, fühlten sich alle stark. Auf einmal wollten alle, jeder Bäcker und jeder Bauer, Assad beleidigen."

Schulmauer mit Einschusslöchern 2018: "Irgendwann habe ich nichts mehr gefühlt, ich war wie tot"
Schulmauer mit Einschusslöchern 2018: "Irgendwann habe ich nichts mehr gefühlt, ich war wie tot"

Es ist ein früher Morgen im Mai, ein neues Gespräch mit ihm beginnt. Mouawiya sitzt jetzt nicht mehr unter dem Orangenbaum neben der Mauer. Er steht, in Militärhose und Tarnweste, neben anderen jungen Männern vor einem zerstörten Haus. Sie selbst hätten es gesprengt, sagt er, um die letzte Zufahrtsstraße in ihr Viertel zu blockieren.

"Assads Armee rückt immer näher, die Raketenwerfer sind keine 500 Meter mehr entfernt, nur noch zwei Straßen. Unsere Feinde könnten mit Panzern angreifen, aber wir hören schon ihre Kampfjets fliegen, wahrscheinlich werden wir die Feinde gar nicht sehen, wahrscheinlich werden sie Fassbomben aus der Luft auf uns herabwerfen."

Manchmal hört man das Grollen, das aus dem Himmel kommt, dann zittert das Handy in Mouawiyas Hand. Wir reden jetzt alle drei Tage miteinander, für ein paar Stunden oder auch nur Minuten, solange die Verbindung hält, solange noch keine Raketen kommen. Manchmal schickt er nur kurze SMS- oder Sprachnachrichten, als Zeichen, dass er noch lebt. Manchmal sendet er Fotos, die er auf seinem Handy gespeichert hat und die sieben Jahre seiner Jugend, sieben Jahre im Krieg dokumentieren. Ein paar dieser Bilder zeigen einen Jungen mit Gelfrisur, der Motorrad fährt und sich zum ersten Mal verliebt. Die meisten zeigen einen Jungen, der ohne Familie aufwächst und der eines Tages, fast noch ein Kind, selbst ein Gewehr in die Hand nimmt.

Die Mauer, auf die Mouawiya damals das Graffito gesprüht hatte, steht heute immer noch in Daraa, aber die Schule, zu der die Mauer gehörte, ist weg. Mouawiya, kein Junge mehr, geht wieder dahin zurück, steigt über ihre Trümmer, filmt Autowracks und Häuser wie Gerippe, kilometerweite Ruinen. Er führt vorbei an einem ausgebrannten Krankenhaus, an einem zerbombten Kindergarten, an Leichen in einem Flussbett – ein Fremdenführer aus der Unterwelt. Die Gliedmaßen der Toten sind verdreht, ihre Uniformen zerfetzt, manche haben kaum noch Gesichter. Es waren Soldaten von Assad, niemand hat sie begraben wollen, sagt Mouawiya, er verscheucht einen streunenden Hund, "Jalla, imschi!", dann schwenkt er weg.

Daraa war früher, so erzählt Mouawiya, während er langsam durch zerstörte Straßen geht, eine bunte, jahrtausendealte Stadt, erwähnt im Alten Testament. Heute filmt er die letzten Bewohner, die vor ihren zerschossenen Häusern sitzen, die nicht mehr fliehen können und ihre eigenen Gräber ausheben oder vom Märtyrertod träumen.

Ein paar von ihnen stellt uns Mouawiya über seine Kamera vor; da ist Rabia, 40, eine Frau mit Beinprothese, einem Kleinkind auf dem Arm und zwei weiteren Kindern an der Hand; da ist Mohammed, 80, der sein halbes Leben lang Apotheker gewesen ist und der heute das Krebsgeschwür, das seine Lunge auffrisst, mit Hustensaft behandelt; da ist auch Naef, 33, der nachts mit einem Sprengstoffgürtel um den Bauch einschläft, dessen ganze Familie von der syrischen Armee getötet wurde und der nun, wenn Assads Soldaten kommen, um auch ihn zu töten, mindestens zehn von ihnen mitnehmen will.

Viele, die in Mouawiyas Handy sprechen, verfluchen Assad. Andere verfluchen Putin, oder sie verfluchen die Islamisten, die ihre Revolution gestohlen hätten. Und fast alle in Daraa, die Mouawiya früher als Helden feierten, verfluchen auch ihn heute als Schuldigen.

"Sie sprechen es nicht aus, sie sagen es mir nicht ins Gesicht, aber ich sehe es in ihren Blicken. Ich weiß, dass sie es denken. Ich denke es ja selbst: dass es den Krieg ohne mich, der Assad beleidigte, niemals gegeben hätte."

Kann ein 13-Jähriger, der ein Graffito sprüht, an einem Krieg schuld sein?

Mouawiya kann nicht mehr glauben, dass es ohne sein Graffito jemals zur Revolution gekommen wäre. Und selbst wenn das alles eine einzige Legende wäre, wie soll er sie vergessen?

Als der Bürgerkrieg beginnt, als die Menschen in Syrien noch seinen Namen rufen, erzählt er, will er der Held, zu dem er im ganzen Land gemacht wird, eigentlich nicht sein.

Abschiedsfoto mit Freundin Esma
Abschiedsfoto mit Freundin Esma

Er schaltet seine Kamera aus und sagt: "Ich wollte nur weiter zur Schule gehen. Ich wollte niemanden mehr wegen dem, was ich getan hatte, sterben sehen. Nur ein paar Wochen noch, dachte ich, dann sei die Revolution vorbei, dann lebten wir in Freiheit. Alle in Daraa dachten, Assad würde jeden Tag verhaftet. Alle waren sich sicher, die Bilder aus Daraa, all die Leichen, seien sein Ende."

In den ersten Wochen glauben viele Syrer, Assads Sturz sei nur eine Frage der Zeit. Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union fordern Assad zum Rücktritt auf. Aber dann, aus Wochen der Gefechte werden Monate, ziehen über die jordanische Grenze immer mehr bewaffnete Milizen nach Daraa, um gegen Assad zu kämpfen. Dann schicken Assads Generäle noch mehr Hubschrauber und Panzer der syrischen Armee nach Daraa, dann jagen 5000 Soldaten die Rebellen.

"Unser Vater schrie mich und meine Brüder an, still zu bleiben, nicht bei den Rebellen mitzumachen. Er verbot uns, Waffen anzufassen oder vor anderen Leuten über Assad zu reden. Meine Brüder dachten, er sei ein Feigling. Ich weiß heute, mein Vater war ein kluger Mann."

Das Haus seiner Familie liegt im Altstadtviertel Daraa al-Balad, in dem bald jeden Abend syrische Soldaten von Haus zu Haus ziehen, in dem ganz normale Väter, die angeblich Verräter sind, einfach so verschwinden.

Auch Mouawiya verschwindet. Seine Eltern verstecken ihn, um ihn zu beschützen, im Keller eines Onkels.

"Ich durfte nicht mehr auf die Straße, ich blieb fast ein Jahr lang im Haus. Das Haus hatte eine kleine Treppe vom Keller zu den Schlafzimmern, ich stieg sie jeden Abend nach oben. Durch das Fenster in der Küche konnte ich nach draußen sehen, überall auf den Dächern lagen Scharfschützen. An einem Morgen sah ich, wie kleine Mädchen, die mit einem Ball spielten, ins Schussfeld rannten. Und an einem Abend, das war schon im Winter, hörte ich Baschar al-Assad über mich sprechen. Er sprach in dem Radio neben meinem Bett. Er sagte, dass Homs und Aleppo nur meinetwegen, wegen eines Dummejungenstreichs, bombardiert würden und brennen."

Nach einem Jahr, er ist 14 Jahre alt, holt sein Vater ihn aus dem Keller, zurück zu seiner Familie.

"Er sagte, ich müsse keine Angst haben. Europa, Saudi-Arabien, Amerika, alle wollten uns helfen, alle gäben den Rebellen Geld und Waffen. Er sagte, Obama sei ein großer Mann. Obama drohe Assad, und Assad würde auf Obama hören."

Im Fernsehen sieht Mouawiya, wie Obama von Kriegsverbrechen redet, von Chemiewaffen und einer "roten Linie". Genau ein Jahr und einen Tag später, am 21. August 2013, Mouawiya ist jetzt 15 Jahre alt, melden Nachrichtensender einen Giftgasanschlag in Ghuta, in den Vororten von Damaskus, es gibt Hunderte Opfer, aber nichts passiert; Obama schickt Inspekteure, keine Raketen. Seine Drohungen sind leer.

"Ich sah die Gesichter von vergifteten Kindern, manche waren fast so alt wie ich. Ich saß in unserem Haus und betete um Vergebung. Ich konnte nachts nicht mehr einschlafen. Ich konnte meine Augen nur noch zumachen, wenn Musik auf meinem Handy lief."

Rebell Syasneh: Kann ein 13-Jähriger einen Krieg auslösen?
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Mouawiya schickt einen Link zu einem YouTube-Video, zu einem Lied, das er damals jede Nacht gehört habe. Es ist das Lied "Get Lucky" von Daft Punk und Pharrell Williams, der Sommerhit 2013: We're up all night 'til the sun / We're up all night to get some / We're up all night for good fun / We're up all night to get lucky.

Er geht damals, so schreibt Mouawiya, schon seit zwei Jahren nicht mehr zur Schule. Er sieht seine Freunde nur noch auf Facebook, er übt nicht mehr Lesen, Schreiben oder Rechnen. Er zählt nur noch die Toten, die Al Jazeera im ganzen Land meldet. Mouawiya schreibt: "Ich kam auf mehr als Hunderttausend."

Während Mouawiya die Toten zählt, Musik hört und um Vergebung betet, während Soldaten und Rebellen einander in Daraa bekämpfen, sitzen deren Anführer in Europa an einem Tisch, um miteinander zu reden. Es sind Delegationen der Regierung und der Opposition, die am Genfer See zusammen mit Diplomaten aus 30 Staaten über den Frieden verhandeln; die das Töten gemeinsam beenden könnten, aber keine Gemeinsamkeiten finden.

Die Opposition, die aus verschiedensten Gruppierungen besteht, will eine neue Regierung, ohne Baschar al-Assad. Die Regierung um Assad nennt die Oppositionsgruppen "Terroristen". Die Friedenskonferenz endet ohne Ergebnis, der Sondergesandte der Vereinten Nationen entschuldigt sich beim syrischen Volk dafür, versagt zu haben. Auch der Weltsicherheitsrat versagt. Er beschließt Sanktionen und Resolutionen, die Untersuchung von Kriegsverbrechen beschließt er nicht.

Im Sommer 2014, 200 000 Menschen sind bereits getötet worden, der "Islamische Staat" hat die Stadt Rakka besetzt, das "Kalifat" ausgerufen und geschworen, Ungläubigen in aller Welt den Tod zu bringen, erlebt Mouawiya, so erzählt er, die besten Tage seiner Jugend.

Er ist 16 Jahre alt, als in Daraa für ein paar Monate keine Schüsse fallen, als er das Haus seiner Eltern verlassen darf und sein Vater ihm vor dem Ramadan ein altes Motorrad schenkt. Mouawiya fährt damit heimlich aus der Stadt, er fährt über die grünbraunen Hügel auf dem Land, wo Feigenbäume und leuchtend rote Kirschen wachsen. Hinter ihm auf dem Motorrad sitzt Esma, ein Mädchen aus seinem Viertel, das kein Kopftuch trägt, sondern lackierte Fingernägel hat und lange, lockige Haare.

"Wir kletterten jeden Nachmittag auf Berge und versteckten uns in den Olivenhainen. Wir sahen die Sonne über Daraa untergehen. Ich nahm sie in den Arm. Von Weitem sah unsere Stadt friedlich aus."

Hast du deinen Eltern von ihr erzählt?

"Ich habe ihnen nichts gesagt. Ich habe ganz normal getan. Nach einem der Ausflüge sah ich mit meinen Eltern die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien im Fernsehen. Wir sahen fast alle Spiele. Wir sahen, wie Brasilien gegen Deutschland verlor. Was für ein Spiel! Meine Brüder fluchten, mein Vater lachte."

Und du?

"Ich konnte nicht an den Krieg und nicht an Fußball denken. Ich dachte die ganze Zeit an Esma."  

Motorradfahrer Syasneh in den Ruinen Daraas
Motorradfahrer Syasneh in den Ruinen Daraas

Vier Wochen später, an einem Abend nach dem Ramadan, auch daran erinnert sich Mouawiya genau, isst er zum letzten Mal mit seiner Familie. Seine Mutter hat frische Mazza zubereitet, so erzählt er, sein Vater redet über Assad, dessen Armee an immer mehr Fronten gegen immer mehr Feinde zu kämpfen hat, und über die Islamisten, die in der Wüste Menschen köpfen. Eine syrische Familie, versammelt an einem Tisch, während der Waffenruhe, als plötzlich, wie aus dem Nichts, eine Rakete vor ihrem Haus einschlägt.

"Die Explosion riss alles ein, die Erde wackelte, Betonplatten stürzten auf meine Brüder. Meinem Vater schossen Splitter in den Hals, er verblutete im Rauch. Meine Mutter und ich lagen unter Steinen, ich hörte sie atmen und um Hilfe rufen. Mein Vater und meine Brüder hörte ich nicht mehr."

Seine Mutter und er, so erzählt Mouawiya ganz ruhig, begraben den Vater und beide Brüder auf einem jener Felder, auf denen sie früher den Weizen angebaut hatten. Die Mutter ruft "Allahu akbar", Gott ist groß.

"Aber wenn Gott groß ist, dachte ich, warum nimmt er mir dann meine Familie? Warum will er, dass meinetwegen Menschen sterben?"

Mouawiya, wie die meisten in Daraa als gläubiger Sunnit erzogen, glaubt an eine Strafe. Er hört Männer, die in Daraa kämpfen, von einem "Heiligen Krieg" reden, und er beginnt zu glauben, so sagt Mouawiya, dass auch er, durch dessen Hand alles begonnen habe, für Syriens Freiheit kämpfen sollte.

Es ist der 30. Oktober 2014, eine Woche vor seinem 17. Geburtstag, in New York spricht der dritte Sondergesandte der Vereinten Nationen vor dem Weltsicherheitsrat, er spricht von "Aktionsplänen", von "politischen Lösungen", während Mouawiya mit seinem Motorrad in ein Rebellenlager südlich von Daraa fährt und sich der Freien Syrischen Armee anschließt.

"Ich schwor einen Eid und unterschrieb ein Blatt Papier, mehr nicht. Ich hatte noch keine Ahnung, wie man kämpft. Aber als ein Kommandeur im Lager meinen Namen rief, standen einige Soldaten auf, als könnten sie mit mir den Krieg gewinnen."

Einen Monat lang übt Mouawiya, zusammen mit anderen Jungen, die noch nicht volljährig sind, den Umgang mit Gewehren. Er schießt auf Zielscheiben und Puppen, lernt, immer auf den Kopf zu zielen. Nach zwei Monaten weisen Befehlshaber ihn einer Truppe zu, die das Viertel, in dem Mouawiya früher zur Schule ging, in dem er das Graffito sprühte, gegen Assads Armee verteidigt.

"Meine Mutter flehte mich an, nicht zu kämpfen. Auch Esma sagte, ich sei zu jung, ich sollte mit ihr aus Daraa fliehen. Ich sagte, ich kann nicht einfach fliehen. Es sind zu viele meinetwegen gestorben."

An einem Tag im nächsten Frühling, der "Islamische Staat" zerstört die antike Stadt Palmyra, Baschar al-Assad droht, seine Feinde "mit eiserner Faust auszurotten", in Den Haag erhält der Internationale Strafgerichtshof Beweise für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, tötet Mouawiya zum ersten Mal einen Menschen.

Verliebter Teenager Syasneh 2014
Verliebter Teenager Syasneh 2014

"Ich lag auf einem Häuserdach. Im Fadenkreuz meines Gewehrs sah ich auf einem anderen Dach einen Soldaten der syrischen Armee. Der Soldat sah mich nicht. Er war, glaube ich, doppelt so alt wie ich, vielleicht genauso alt wie mein Vater. Ich zielte auf seinen Kopf. Dann drückte ich ab."

Mouawiya sagt heute, er wisse nicht, wie viele Männer er danach getötet habe. Vielleicht stimmt das. Vielleicht will er es nicht wissen.

Was hast du beim ersten Mal gespürt?

Mouawiya schweigt lange, am Handy ist nur sein Atem zu hören. Irgendwann sagt er: "Nichts."

Syasnehs Mutter an Gräbern 2015
Syasnehs Mutter an Gräbern 2015

Auch Mouawiyas ehemalige Mitschüler, alle 22 Jungen, die einst wie er gefoltert worden waren, ehe die Revolution begann, versuchen damals, nach Deutschland zu gelangen. Bei Facebook verfolgt Mouawiya ihren Weg. Er sieht, dass manche, die Europa erreichen, auf Müllkippen oder in eingezäunten Lagern landen. Und er sieht andere, die es bis nach München, Dortmund oder Berlin schaffen, die Fotos von sich vor deutschen Fußballstadien posten.

Man kann einige dieser Jungen, die mittlerweile junge Männer sind, heute suchen, und man kann sie verteilt über Europa und den Nahen Osten finden. In einer Asylunterkunft in Darmstadt. In einer McDonald's-Filiale in Wien. In der jordanischen Zeltstadt Saatari, einem der größten Flüchtlingslager der Welt. Fast alle von ihnen waren einmal mit Mouawiya befreundet. Fast alle sagen heute, er, der Assad beleidigte, habe ihr Leben und ihr Land zerstört.

Nachdem Mouawiyas Freunde aus Syrien geflüchtet sind, kämpft er noch drei weitere Jahre lang in Daraa, aber er weiß von Jahr zu Jahr weniger, so sagt Mouawiya, wofür.

Einen Tag bevor er 18 Jahre alt wird, wird Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt. Trump nennt Assad nicht länger Amerikas Feind, sondern "Verbündeten" gegen den Terror. Mouawiyas Verbündete, mit denen er seinen Geburtstag feiert, sind junge Männer, die er kaum kennt.

"Sie kämpften mit der Freien Syrischen Armee, aber sie trugen lange Bärte und redeten vom Kalifat. Manchmal, wenn sie Soldaten von Assad gefangen nahmen, schlachteten sie die Gefangenen ab wie Ziegen."

Mouawiya schickt ein Foto, darauf stehen Geländewagen und ein paar Dutzend Männer im Kreis. Ein Mann filmt mit einer Videokamera, zwei andere führen einen Gefangenen in ihre Mitte, mit einem Sack über dem Kopf.

"Manchmal, wenn ich ihnen beim Schlachten zusah, wusste ich nicht mehr: Wer ist böser, Assad oder die Männer mit den Bärten, meine eigenen Kameraden?"

Es ist im Winter 2016, im Nordirak verliert der "Islamische Staat" den Kampf um Mossul, im kasachischen Astana bereiten die Vereinten Nationen die vierte Syrien-Konferenz vor, als Assads Armee im Kessel von Aleppo die vielleicht entscheidende Schlacht des Krieges gewinnt. Fünf Monate später, vor genau einem Jahr, versucht das Regime, auch Daraa zu erobern. In nur zwei Wochen im Juni, in Deutschland wird so gut wie nicht darüber berichtet, aber Weißhelme des Syrischen Zivilschutzes werden noch lange davon erzählen, fallen 645 Fassbomben, 91 Napalmraketen und 645 Mörsergranaten auf Daraa.

"Überall war Feuer, überall brannten Menschen. Ich sah Kinder, die im offenen Feuer Spatzen grillten, um nicht zu verhungern. Ich sah Familien, die erhängten sich vor ihren Häusern, nur aus Angst. Das Schlimmste war das Warten auf die nächste Bombe, das Geräusch, wenn sie vom Himmel fiel."

Seine Mutter und er, so erzählt Mouawiya, überleben; glauben fest, die ganze Welt blicke auf Daraa, sehe einfach zu, wie Assad alles vernichte. Wie sollen sie sich vorstellen können, dass bis heute, nach sieben Jahren Krieg, nach Tausenden Bomben und Gefechten, kaum jemand da draußen jemals den Namen Daraa gehört hat?

Bombenexplosion in Daraa 2017: "Ergebt euch, oder ihr werdet alle sterben"
Bombenexplosion in Daraa 2017: "Ergebt euch, oder ihr werdet alle sterben"

An einem Abend Ende Mai springt Mouawiyas Kamera nicht mehr an. Er reagiert auch nicht mehr auf Anrufe. Die Verbindung ist zu schlecht, schreibt er per SMS, der Angriff auf den Süden der Stadt hat begonnen, die zweite Großoffensive der syrischen Armee steht bevor. Er schickt ein Foto von einem Flugblatt, das Hubschrauber über Daraa abgeworfen haben, darauf steht: "Ergebt euch, oder ihr werdet alle sterben."

Es ist der 2642. Tag des Krieges und die letzten tausend Kämpfer in Daraa, einer der letzten Rebellenhochburgen in Syrien, können sich kaum noch wehren. Mouawiya schickt eine Sprachnachricht, seine Stimme klingt erschöpft: "Hier ist Mouawiya, könnt ihr mich hören? Sie beschießen uns mit Mörsern und Raketen. Wir haben fast keine Munition mehr, aus dem Ausland kommen kaum noch Waffen. Eigentlich sollten die Amerikaner uns beschützen, aber sie haben uns aufgegeben. Wir sitzen in einem Steinbunker. Wir können nur beten."

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 26/2018.
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