In Daraa, einer syrischen Stadt an der Grenze zu Jordanien, 3000 Kilometer Luftlinie von Deutschland entfernt, schaltet ein junger Mann, sein Name ist Mouawiya Syasneh, die Kamera seines Mobiltelefons ein, damit man ihn am anderen Ende der Verbindung sehen kann, er hebt seine rechte Hand, er winkt und fragt: "Könnt ihr mich sehen?"

Das Kamerabild rauscht und wackelt im Rhythmus seiner Schritte, man kann ihn trotzdem gut erkennen. Er bewegt sich durch eine Landschaft aus Ruinen, von der Sonne grell beschienen, kein Mensch ist zu erkennen außer ihm. Es ist ganz still, nur Vögel singen, ein Morgen im April, der 2601. Tag im Krieg. Im Norden Daraas rücken Truppen mit Raketenwerfern von Baschar al-Assad näher, im Osten sprengen sich Selbstmordattentäter des "Islamischen Staates" in die Luft, im Westen versperren Panzer die letzten Auswege zur Flucht, und Mouawiya Syasneh, vor 20 Jahren geboren im Süden Daraas und nun gefangen in den Mauern der Stadt, sagt in die Kamera: "Jalla, kommt mit. Ich

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 26/2018.
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