Er verfolgte mit dieser Aussage eine Intention, nämlich die sympathische Frau neben ihm zu beeindrucken, und das schien so weit auch zu klappen. Beide freuten sich über das Bekenntnis zum dunklen Brot, das eine höfliche Absage war an Weißbrot, Toastbrot und Weizenbrötchen. Dunkles Brot, das klang nach Kinderzeiten, Provinz, lokaler Produktion und fröhlicher Darmflora. Es ging, der Kontext ihrer Unterhaltung machte es klar, um Distinktion durch Nahrungsmittel und damit um das zentrale Thema der Zeit und des Landes. Wo man früher über Kapitalismus, Marxismus und die Qualität der Politiker stritt, geht es heute um Fleischkonsum und Vollkornrettung. Und wer meint, dass wir in postideologischen Zeiten leben, möge doch beim Elternabend vorschlagen, den Kindern beim Wandertag ein Wurstbrötchen, Vollmilchschokolade und eine Dose Cola mitzugeben, wie früher. Ebenso gut könnte man Heroin anpreisen.

Kaum ein anderes Sachbuch fand in diesem Jahr so viele Leser wie "Der Ernährungskompass" des Wissenschaftsjournalisten

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 49/2018.
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