Willy Brandt ist bester Stimmung, als er am 23. November 1970 in Rom eintrifft. Die italienische Regierung begrüßt ihn herzlich und mit militärischen Ehren. Der Kanzler ist beliebt hier, als ehemaliger Widerstandskämpfer steht er für ein modernes Deutschland, frei vom Muff der NS-Vergangenheit.

Erst wenige Monate zuvor hat Brandt in einem Vertrag mit der Sowjetunion die Oder-Neiße-Linie als deutsche Grenze zu Polen für unverletzlich erklärt. Im Kalten Krieg gilt er als Visionär des Friedens. Sein italienischer Amtskollege lobt ihn in einem Vieraugengespräch für die neue Ostpolitik, die Aussöhnung mit Polen, und versichert ihn seiner Unterstützung.

Später setzen die Delegationen die Gespräche fort. Es geht um die westeuropäische Zusammenarbeit, den Nahostkonflikt, die Einführung des Farbfernsehens in Italien. Am Ende der Sitzung, gegen 19 Uhr, ergreift Brandt das Wort: Er sei in seinem Land dabei, "die Folgen des Zweiten Weltkriegs abzubauen". In diesem Sinne bitte er die italienische Regierung

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 40/2018.
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