Er hat sein Leben lang gegen das Vergessen gekämpft. Nun ist er alt, 88 Jahre, sitzt in einem blauen Ohrensessel und sagt mit einer prägnanten, leicht knarrenden Stimme: "Mein Gedächtnis ist schwach." Und dann erinnert sich Reinhard Strecker doch genau.

An den 27. November 1959, als er mit Kommilitonen eine Ausstellung in der Karlsruher Stadthalle eröffnete. In jahrelanger Arbeit hatten die Studenten Fälle von Richtern dokumentiert, die während der Nazizeit Unrechtsurteile gesprochen hatten und in der Bundesrepublik wieder Dienst taten. Strecker hatte das Todesurteil eines Sondergerichts im besetzten Polen auf Plakate drucken lassen.

Die Pressekonferenz am nächsten Tag, sagt Strecker, "nahm einfach kein Ende, so groß war das Interesse". Viele ausländische Korrespondenten waren gekommen. Strecker erklärte damals: "Dass Richter, die bei solchen Urteilen mitgewirkt haben, noch heute die Robe tragen, erfüllt uns junge Menschen mit tiefer Sorge für die Zukunft."

Am Tag darauf kündigte der Karlsruher

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 7/2019.
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