Wenn man etwas über Geschlechterverhältnisse lernen will – ein Jahr nach der #MeToo-Debatte, zwei Jahre nach der "Nein heißt Nein"-Debatte, ein halbes Jahrhundert nach der sexuellen Revolution von 1968 –, kann man mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sprechen. Man kann Juristen, Soziologen, Pädagogen und Paartherapeuten befragen, wie Männer und Frauen heutzutage miteinander umgehen. Vielleicht lernt man aber anderswo mehr – an einem Ort, an dem Männer und Frauen eine Menge über ihr Verständnis von Gleichberechtigung und Sexualität verraten, freiwillig und meist unbewusst: in einem Sexshop. Die Boutique Bizarre ist der größte Sexshop Europas. Candy Bukowski, 51, die nur mit ihrem Künstlernamen an die Öffentlichkeit will, arbeitet hier seit vier Jahren gemeinsam mit Ernst Kistner, 48; sie hat gerade ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben.

SPIEGEL: Frau Bukowski, Herr Kistner, was lernen Sie bei Ihrer Arbeit über Beziehungen?

Bukowski: Man sieht den Leuten an, ob sie eine glückliche oder eine unglückliche Sexualität haben. Einige wollen ihre Beziehung retten, andere sie nur auffrischen. Es gibt die Vollprofis, die zielstrebig zu den Fetischutensilien gehen, und solche, die verzweifelt etwas suchen, um ihren Partner zurückzuerobern. Einige kommen offensichtlich mit ihrer neuen Flamme oder Affäre.

SPIEGEL: Woran erkennen Sie das?

Bukowski: Sie gehen liebevoll miteinander um, nehmen sich Zeit beim Einkauf. An der Kasse fragen sie, was genau auf der Kreditkartenabrechnung steht, oder zahlen gleich bar. Sonst könnte der Partner oder die Partnerin ja Wind davon kriegen.

SPIEGEL: Wer kommt alles zu Ihnen?

Kistner: Samstags die Touristen und die Männer und Frauen bei Junggesellenabschieden, die von Sex irgendwie fasziniert sind, aber über alles lachen und nichts an sich ranlassen. Sonntags die erfahrenen Paare, die ihre Ruhe wollen. Und unter der Woche die gut situierten Männer auf Geschäftsreise, mit Rollkoffer und Messebändchen um den Hals, das Klischee stimmt wirklich.

SPIEGEL: Wer sind Ihre liebsten Kunden?

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der SPIEGEL-Ausgabe 7/2019.
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